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Duell der Fotodienste: Flickr meets Twitter meets Instagram meets EyeEm

Mein Make-Up, Meine Schuhe, Meine Nägel, Mein Mittag, Meine Wolken, Mein Urlaub. Ja, auch wir sind nicht unschuldig und posen gern mal ordentlich mit den Sonnenseiten unseres Lebens. Dazu auch das geniale Integram-Video von Collegehumor.

 

Soweit nichts Neues, doch der Wettbewerb der Fotodienste verschärft sich zunehmend. Einen ersten Aufschlag machte im April Facebook, als es sich für den lässigen Kaufpreis von einer Milliarde US-Dollar die Fotoapp Instagram einverleibte. Wahrscheinlich diente der Kauf auch dazu, andere mögliche Kaufinteressenten auszustechen. Denn eigentlich hatte Facebook bereits ein ganz vernünftiges Tool in der Facebook-App integriert, mit dem man Fotos teilen konnte und hatte vorsorglich mit der Facebook Camera App auch bereits eine App am Start, na sagen wir mal höflich, die Instagram sehr ähnelt. Aber wahrscheinlich war der Horror für Facebook einfach zu groß, daß sich Google, Microsoft oder Yahoo, die ja mit Flickr den Dinosaurierfotodienst im Web und damals noch ganz ohne App unterwegs waren, Instagram einverleiben. Also rein da und Tür zumachen für alle anderen. Seit dem hat Facebook ein bisschen am Design von Instagram herumgebastelt und oh wow! neue Filter spendiert.

Die eigentliche Strategie für Instagram besteht aber in der Verlagerung der Fotos in das Web und der Monetarisierung. Irgendwie muss die Milliarde ja wieder reinkommen und so richtig happy waren die Facebook-Aktionäre zuletzt ja auch nicht mehr. Da die Werbeerlöse in Apps immer noch deutlich geringer als im Web sind und vor allem Werbung als deutlich störender empfunden wird und Facebook ein wunderbar funktionierendes Werbebuchungstool für Anzeigen auf der Facebook-Plattform hat, wäre es also ein leichtes, genau solche Werbeanzeigen neben die Instagram-Fotos im Web zu packen.

Ausserdem dürfte es die Nutzergemeinde für Instagram noch weiter vergrößern, denn bisher waren die Bilder komplett in der Instagram-App eingesperrt, d.h. kein Smartphone, keine Instagram-App, keine Bilder. Im Sommer lag der Anteil der Smartphonebesitzer in Deutschland gerade einmal bei 35% der Bevölkerung. Und auch das die Leute ein Smartphone haben, bedeutet noch lange nicht, daß sie auch damit online gehen. Eigentlich absurd, aber im vergangenen Jahr waren laut einer Google-Studie nur rund 45% der Smartphonebesitzer einmal am Tag online. Das macht dann ca. 10 Millionen potentielle Nutzer mit Smartphone versus 60 Millionen Internetnutzer.
Also greift man nun auch Flickr mit den Webprofilen von Instagram an, denn Bilder am Computer ansehen – das war immer die Domäne von flickr, allerdings muss man sagen, daß flickr auch mehr auf ambitionierte Fotographen und Fotos abzielt, als auf schnelle Handyschnappschüsse. Das es Werbung bei Instagram geben wird, wurde auch schon angekündigt.

Doch zurück zur Eskalation. Einen kleinen Zoff in der Bilderwelt gab es dann in der letzten Woche, denn Instagram hat mal eben die Verbindung zu Twitter gekappt bzw. in der Funktionalität deutlich modifiziert. So wurden Bilder aus Instagram, wenn man wollte, direkt bei Twitter angezeigt. Nun werden nur noch Links zu den Bildern bei Twitter angezeigt und man muss dann erst einen Link anklicken, um sich das Foto dann auf Instagram anzusehen (und die Werbung die da bald kommt?). Für Nutzer also mal wieder einen Klick mehr und einfach nur nervig.

Ob das so clever war, wird sich zeigen, denn Twitter hat relativ schnell nachgezogen und bietet nun in der Twitter-App ebenfalls die bei Instagram sehr beliebten Filterfunktionen an.

Noch relativ unbemerkt von den anderen Streithähen, hat nun auch Flickr (endlich!) eine vernünftige Fotoapp veröffentlicht. Ja, und natürlich mit Filterfunktionen. Eigentlich nicht besonders spektakulär, aber flickr ist wie gesagt die Großmutter aller Online-Fotodienste und hatte im Juni 2011 bereits 51 Millionen registierte Nutzer. Die letzten von Instagram berichteten Zahlen sprachen von 30 Millionen Nutzern. Bei Instagram stehen da natürlich noch fast 1 Milliarde Facebook-Nutzer im Rücken, die Facebook massiv in Instagram pushen könnte, wenn da die FB Camera App nicht wäre. Yahoo, als Muttergesellschaft von flickr hat aber auch mindestens 700 Millionen Nutzer, die man stärker für Flickr mobilisieren könnte.

Außerdem hat sich Yahoo mit Marissa Mayer im Juli diesen Jahres auch eine hochkarätige Führungsspitze von Google geholt, die auch gleich nach dem Antritt Flickr zu einem der wichtigsten Produkte und Projekte von Yahoo ernannt und sofort die Anzahl der Entwickler verdoppelt hat. Und auch in der Community von flickr gab es großen Zuspruch für die Kampagne dearmarissamayer.com. Flickr sollte man also in dieser Schlacht noch nicht abschreiben.
Instagram erlaubt übrigens bisher noch das Veröffentlichen von Bildern bei Flickr. Mal sehen, wann auch dort der Stecker gezogen wird.

Zuletzt bleibt noch Google, die mit Google+ zwar eine Art Facebook auf die Beine gestellt haben und ordentliche Mitgliederzahlen verzeichnen, aber eigentlich kenne ich niemanden, der wirklich so aktiv bei G+ ist wie bei Facebook. Und Googles flickr, Picasa, hat soweit bekannt auch noch keine vernünftige Mobilvariante und wird wohl demnächst einfach in Google+ integriert werden. Zwar hat Google mit Youtube eine gigantische Bilderplattform im Netz, aber eben nur für Bewegtbilder. Das dort nun demnächst eine Instagram-isierung einsetzt, ist ziemlich auszuschliessen, den Youtube bewegt sich ja immer weiter in Richtung TV-Ersatz und arbeitet verstärkt an Filmpartnerschaften und Exklusivmaterial – da passen die Fingernägelfotos von Instagram einfach nicht richtig dazu.

Und Microsoft stellt sich bei Community-Projekten ähnlich an, wie Google und hat dazu noch ganz eigene Probleme. Das Netzwerk Socl ist zwar jetzt offen für alle, aber da wird zum Thema Fotos wohl höchstens eine Übernahme eines der verbliebenen Player, wie EyeEm, in Frage kommen.

Aber auch aus der Moodboard-Fraktion gibt es eine Bewegung in Richtung Instagram. So bieten sowohl Pinterest, als auch Weheartit Apps an, mit denen man auch Bilder hochladen kann, aber ohne Filter, was wirklich ein Unterscheidungsmerkmal zu sein scheint. Und während sich der Rest der Welt noch, darum streitet, wessen Bilder wann, wo, mit Link, ohne Link oder gar nicht und vor allem MIT Filterfunktion oder OHNE Filterfunktion angezeigt werden, entwickeln Player wie Via.me das Thema einfach schon mal ein Stück weiter. Deutsche-Startups hat sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und zeigt eine Liste mit Fotodiensten.

Und wer nach so viel Text erstmal ein bisschen Bilder anschauen will, findet unsere Bilder bei Flickr, Facebook, Instagram, Weheartit und so…

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