„Ich bin so froh daß ich ein Mädchen bin“- Modetrend Tütü

Kurz. Meist rosa oder in ähnlich soften Pastelltönen. Aus einem wunderbar-märchenwelthaften Stoff namens Tüll. Romantisch. Nostalgisch. Klassisch. Und so super-feminin. In jedem Kleinmädchen-Primaballerina-Traum spielt er die Hauptrolle, doch hat ihn seine Beliebtheit beim weiblichen Geschlecht vom exklusiven Status der Berufskleidung im Bereich des klassischen Tanzes zum Modetrend-St ück auch bei Nicht-Tänzerinnen  avancieren lassen: Die Rede ist vom Tütü.

Stummfilmstar und Twenties-Stilikone Louise Brooks, die mit tiefschwarzem kurzem Bob-Haarschnitt und viel Make-Up als rauchender, trinkender und Jazz-tanzender „Flapper“  die Aera der New Woman begründete, zierte einst ein wunderschönes Foto im schwarzen Spitzen-Tüll-Tütü. Im Zeitalter des Flappers und der Roaring Twenties, wo traditionelle Rollenbilder ins Rutschen gerieten und einengende Korsetts gegen glatte, bewegliche Kleidung und burschikose Schnitte ausgetauscht wurden, stellt Louise Brooks- die Verkörperung des Flappers schlechthin-im mädchenhaft-verspieleten Ballerina-Tütü eine umso inspierendere, scheinbare Gegensätze auf eleganteste Weise verschmelzende  Erscheinung dar. Daß sie eben nur mit typischen Weiblichkeits-Klischees spielt, wird schon durch die für Tütüs eher untypische schwarze Farbe angedeutet. Während rosa, pink, beige und weiss klassischerweise mit Femininität assoziiert werden, mit Unschuld, Verspieltheit, Sanftheit und „weiblicher“ Zurückhaltung, gilt schwarz als Farbe des Mannes, der Nacht, der gefährlichen Verführung, der  geheimnisvollen  Eleganz und der künstlerischen Kreativität. Das schwarze Tütü spielt somit mit diesen sich nur vermeintlich gegenseitig ausschließenden Weiblichkeits-Konzepten und verbindet süße Mädchenhaftigkeit mit elegant-reizvoller Sinnlichkeit.

Tüll und Tütüs sind wieder in. Carrie Bradshaw, das modebewusste und-mutige Sex-and the City-It-Girl, machte in der Eröffnungssequenz der populären TV-Show einen weissen, ganz besonders raffinierten Tütü -Traum zum Kult. Und auch im Frühjahr 2010 werden Ballerina-inspirierte Kleider aus Tüll und Chiffon entworfen und getragen, und zwar dekorativ drapiert und gerafft, gewickelt und geknotet. Die Farben und Muster reichen von pastell über bunt geblümt bis hin zu auffälligen Farbverläufen. Zwei Dinge sollten jedoch beachtet werden:  Erstens benötigt man für diesen Trend eine Top-Figur, da Drapés leicht auftragen. Zweitens: Mit Carrie ist wohl die maximale Altersgrenze erreicht. Wer jedoch älter ist als-sagen wir 38- und nicht die quirlig-schlanke Leichtigkeit einer Carrie Bradwshaw hat, an der (fast) alles gut aussieht, sollte vom Tütü lieber die Finger lassen.



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