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Lala Berlin: Interview mit Designerin Leyla Piedayesh

Wir haben Leyla Piedayesh von Lala Berlin zum Interview in ihrem Berliner Hauptquartier getroffen und über ihre neue Winterkollektion für 2016 gesprochen, die Kooperation mit dem Beautylabel Catrice und die Trends für das nächste Jahr.

Fashion-Insider: Dein Label heißt Lala Berlin. Wie kam der Name zu Stande und wieviel Berlin steckt in Lala?

Leyla Piedayesh: Lala ist eigentlich ein Spitzname gewesen, als ich damals anfing zu Stricken habe ich ihn übernommen, weil es in dem Moment das Einfachste war. Es steckt zudem richtig viel von der Stadt im Label. Lala Berlin der Name ist Programm.

Fashion-Insider: Woher kam der Impuls zu aktuellen Winterkollektion „Persian Queen goes Berlin”?

Leyla Piedayesh: Ich beschäftige mich intensiv mit meinen Wurzeln, die im Iran fest verankert sind. Im letzten Jahr war ich seit 27 Jahren wieder dort unter anderem in Perspolis um die Kultur zu studieren, die iranische Geschichte und Stilvorbilder wie Farah Diba. In der Kollektion mischen sich diese Eindrücke mit den Bildern und dem Look von Berlin aus Mitte/Ende 80er Jahre die ich aus dieser Zeit habe.

Fashion-Insider: Hatte das Thema Einfluß auf die Auswahl der Models für Video und Runway Show?

Leyla Piedayesh: Nein, ich arbeite mit einem Stamm an Mädchen, die auch schon bei der letzten Show in Kopenhagen dabei waren, weil sie gut zu Lala Berlin passen und man weiß worauf man sich einlässt. Dazu kommen natürlich auch immer einige New Faces, die man dazwischen mischt. Es geht mir eher darum, welcher Typ passt zur Lala Welt als das es bei der Auswahl rein um die Kollektion geht.

Fashion-Insider: Welche Farben werden uns durch den nächsten Winter begleiten?

Leyla Piedayesh: Bei Lala ganz klassisch gedeckte Farben wie ’schwarz‘, dunkelblau und lind bis jadegrün.

Fashion-Insider: Strick und Print gehören zu Lala wie das kleine Schwarze zu Chanel. Stand diese Symbiose bereits zu Beginn deiner Designerkarriere fest?

Leyla Piedayesh: Mit dem Strick hat alles angefangen, somit gehört es seit der ersten Stunde zu Lala. Der Print kam in der zweiten Stunde zu Lala Berlin, weil ich in der Sommerkollektion nicht wusste was ich stricken soll, habe ich angefangen auf Jersey zu printen. In der folgenden Entwicklung haben wir dann begonnen mit neuen Garnen zu arbeiten, mit Mustern zu experimentieren und bleiben am Ende doch sehr traditionell und klassisch.

Fashion-Insider: Stichworte traditionell und klassisch – in den letzten Jahren hat sich die mediale Berichterstattung besonders im Modebereich stark gewandelt. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf deine Arbeit als Designerin?

Leyla Piedayesh: Momentan denke ich darüber nach vielleicht keine klassische Modenschau mehr zu machen, weil es nichts bringt sechs Monate im voraus Mode zu präsentieren, die wenn sie in die Läden kommt schon passé ist. Diese Bewegung ist weltweit zu beobachten. Auch in New York überlegen sich viele Labels lieber für das große Publikum und nicht mehr für die kleine Masse zu präsentieren. Die Entwicklung tendiert dahin, dass die Mode sofort nach der Schau in den Läden zu erhalten sein soll. Eine Herausforderung und große Veränderungen für die Industrie, die es noch zu meistern gilt.

Die Looks gehen via Instagram sofort um die Welt und selbst für Brancheninsider wie mich ist es zuweilen verwirrend, weil du nicht weißt wann du was gesehen hast und wann es denn jetzt endlich in den Laden kommt. Die Vorfreude, die einen früher erfasste, wenn man ein Stück in einem Magazin gesehen hat, auf das man dann sehnlichst wartet bis es auf der Stange hängt, gibt es in der Form nicht mehr.

Fashion-Insider: In diesem Jahr hast Du das Berliner Publikum mit einer Video Installation anstelle einer Runway Show überrascht und die komplette Kollektion erst drei Wochen später in Schweden gezeigt. Wie kam es dazu?

Leyla Piedayesh: Eine Show ist ausreichend um die Kollektion zu präsentieren. Die Wahl fiel von Herzen auf Kopenhagen. Für Lala Berlin ist ein starker Markt. Flagge zu zeigen indem ich Menschen, die mir seit Jahren treu unterstützend zur Seite stehen, die Kollektion live präsentiere und Gesicht zeige, ist mir sehr wichtig. Vielleicht gibt es beim nächsten Mal aber auch keine Show, in einer Zeit die so schnell ist, möchte ich mich nicht festlegen. Obwohl ich eher der Typ für die klassischen Wege bin, darf ich den Blick aus unternehmerischer Sicht nicht verlieren.

Europa ist Lalas Kernmarkt. Als eher klassisches ‚Mädchen‘ liegt mir viel an der Erhaltung alter Werte. Ich bin glücklich, dass Lala in den letzten zehn Jahren so organisch wachsen durfte, ich mir die Zeit nehmen durfte um im Metier aufzugehen. Jetzt geht der Weg der Internationalisierung los, wie schnell das jedoch gehen soll, kann man an dieser Stelle nicht beantworten. Für dieses Jahr ist erst mal der Umzug in weitaus größere Räume geplant, das ist schon eine riesen Aufgabe. Zuviel auf einmal nehmen wir uns nicht vor, wenn man zu hoch baut, bröckelt es rechts und links ab. Ich will die Säulen fest stellen bevor dann die nächste Ebene erreicht wird.

Fashion-Insider: Seit Jahren begleitet dich Cartice Cosmetics. Wie ist diese Kooperation zu Stande gekommen?

Leyla Piedayesh: Das ist auch so eine Teilbeständigkeit in meinem Leben mit den gleichen Menschen zu arbeiten. Hat man sich gefunden und die Zusammenarbeit funktioniert gut, weshalb nicht auch da weiter machen statt ewig Neuem Raum geben zu müssen. Die Kooperation harmoniert, weil beide Seiten wissen, dass man sich gut tut. Jeder inspiriert den Anderen auf seine Weise.

Wir haben gemeinsam mit Catrice bereits mehrere limitierte Editionen herausgebracht, die sehr erfolgreich waren. Ich sehe keinen Grund für Änderungen.

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Fashion-Insider: Du entwirfst die Looks für Lala – ab wann steht bei der Entwicklung einer Kollektion das Styling für die Models fest?

Leyla Piedayesh: Manchmal früher, manchmal später, generell kommen Haar und Make-Up natürlich als Letztes hinzu. Das Styling ist mir wichtig, in den Prozess der Ausarbeitung bin ich stark involviert. Das Thema der Kollektion ist jedoch weniger ausschlaggebend. Meine Devise lautet: Frauen müssen schön aussehen und wenn sie Make-Up tragen, sollten sie noch schöner aussehen. Deshalb reicht es auch bei manchen Models, wenn sie ganz nude sind und vielleicht nur einen ausdrucksstarken Lippenstift tragen.

Von Label zu Label sind die Vorstellungen sehr verschieden. Der eine will, dass das Make Up den Look ergänzt, bei mir soll es den Look unterstützen. Artifiziell hat seine Berechtigung, für Lala wünsche ich mir aber eine klare Haut und strahlende Gesichter, die den Fokus auf die Kollektion lenken.

Fashion-Insider: Bei der Videoinstallation im Me Collectors Room zur Berliner Fashion Week war auch deine Tochter anwesend und hatte sichtlich Freude an dem Rummel. Welchen Einfluß hat deine Tochter auf deine Kreativität?

Leyla Piedayesh: Sie hat großen Einfluß mit allem was sie tut in jeder Altersphase. Aktuell ist sie mit sieben Jahren wunderbar frei und weltoffen, sagt Sachen die mir direkt ins Herz gehen und natürlich meine Arbeit beeinflussen, oft unterbewusst. Kinder lehren einen Dinge wertschätzen, zu wissen wozu man auf dieser Welt ist und wie man sich die Zeit einteilen will. Die Beeinflussung ist aber eher mental, als das wir beide eine Rosa-Phase haben (die es aber tatsächlich gab).

Das meine Tochter auch selbst Anteil nimmt, fängt gerade an. Hier im Büro greift sie gern zum Stift und entwirft Outfits. Ihren Lieblingslook, aktuell in blau mit kurzen Hosen und Chucks habe ich täglich vor Augen. Designerin möchte sie bisher aber nicht werden.

Fashion-Insider: Nach der Kollektion ist vor der Kollektion. Wie weit steckst du schon in den neuen Entwürfen? Kannst du bereits etwas verraten?

Leyla Piedayesh: Tragisch aber wahr schon im Dezember lief das erste Brainstroming. Verraten wird noch nichts, gerade während der Entwicklungsphase strömen täglich Ideen und Impulse auf uns ein, gibt es ständig Änderungen.

Fashion-Insider: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Dir für die Internationalisierung und die neue Kollektion viele tolle Ideen und hoffen, daß sich dein Erfolg so stetig fortsetzt.

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