ZWISCHEN COUTURE UND CASUAL

Wie funktioniert Mode heute? Genau wie alle anderen Lebensbereiche ist sie
komplexer und vielschichtiger geworden. Individuelle Vorlieben haben ehemals
allgemeingültige Regeln verdrängt.
Wenn wir auf die Mode schauen, haben wir statt eindeutiger Bilder „Collagen“ vor
uns, in denen sich ganz unterschiedliche Einzelteile zu immer neuen und ganz
unterschiedlichen „Looks“ zusammenfügen. Dabei gehören stilistische Brüche und
Widersprüche inzwischen zur Normalität; sie sind die typische Reflektion der Mode
auf unser modernes Leben.
Im Herbst/Winter 2008.2009 spielt die wichtigste Spannung zwischen dem
beschützenden Aspekt funktionaler Sportlichkeit, hoch entwickelten technischen
Materialien und unkomplizierter Easyness einerseits und femininer Attraktivität und
fantasievoller Verspieltheit andererseits. Der Gesamtausdruck ist „chic und easy“.
Wertige Materialien und Schnitte mit Allüre sind wichtig. Gleichzeitig geht es immer
um die Demonstration von Ungezwungenheit und Lässigkeit – also um einen
„Casual Appeal“. Sportive Elemente mischen sich überall mit femininen Teilen,
maskulinen oder couturigen Elementen.
Die Mode wird stärker denn je von starken Einzelteilen, den „Key Pieces“ bestimmt.
Dazu gehören im kommenden Winter vor allem Kleider, viel komfortabler und
attraktiver Strick, couturige Jacken und Mäntel sowie „perfekte Jacken“, die einen
wie ein persönlicher Bodygard durch die großen Metropolen oder übers weite Land
begleiten. Zu den Key Pieces gehört natürlich die ganze Range der Accessoires, die
von neuen Pumps über Stiefel, Gürtel, Taschen, Handschuhen, Schals und Mützen
bis hin zu strukturierten, wolligen Strumpfhosen reicht.
Materialien spielen in dieser Saison eine Schlüsselrolle. Die Spannung liegt zwischen
warmen wolligen Materialien und kühlen Technics, zwischen haariger Softness,
gefilzter Kompaktheit und metallischem Schimmer bis hin zu lackierten Oberflächen.
Es ist keine Saison der lauten Farben und der harten Farbkontraste. Neutrals
beherrschen nach wie vor das Bild. Schwarz hat seine Attraktivität nicht verloren.
Grau spielt in eisig kühlen getönten Varianten von hell bis dunkel. Daneben strahlen
neue Beige-, Karamel- und Honigtöne Wärme ab. Farben wie Navy, Khaki und Kitt
sowie Black, Indigo und Gray bei Denims sorgen für verlässliche Konstanz.
Die Effekte werden behutsam in diese Neutralität eingebettet: Rotorange, Anisgelb,
Amethyst, Violett, Kirschrot und Pink.
Unser moderner Alltag verlangt Sachlichkeit und perfektes Funktionieren in allen
Situationen. Dafür stehen stadttypische, neutrale Colours bereit, die oft mit
metallischen Effekten spielen. Superleichte High Tech-Stoffe bilden als Parkas, Bikeroder
wattierten Military-Jacken die schützenden äußeren Hüllen. Darunter werden
klarlinige Strickkleider mit gegürteten Blazern oder Strickcardigan über Rolli und
kurzem Sportrock oder alternativ die kleine gesteppte Bomberjacke zur Stretchröhre
getragen.
Die Accessoires folgen dem Gebot der Sachlichkeit und Funktionalität: Bikerstiefel
mit Schnallen, große Taschen, Gürtel und Lederhandschuhe mit Nieten und
Steppereien.
Androgyne Looks spielen mit dem Kontrast zwischen maskulinen und femininen
Elementen.
Genau genommen bilden die neuen „Boyfriend-Sakkos“, die wie vom Partner
geliehen aussehen müssen, nur den Rahmen, um die darunter getragenen weich
drapierten Kleider aus Jersey oder Satin noch besser zur Geltung zu bringen.
Feminine Blusen und weiche Wickelstrickjacken werden zu maskulinen
Bundfaltenhosen getragen, tweedige Jacken über kurvigen Pencilskirts.
Hosenanzüge bleiben die Ausnahme, das Spiel mit ausdrucksstarken Einzelteilen
verspricht mehr Attraktivität und individuelle Freiheit.
Souveränität und Gelassenheit gehören zu unseren neuen Idealen – auch darauf
reagiert die Mode!
Luxuriöse, softe Materialien wie Cashmere, Pelz und Felloptiken, Leder, Seide und
superweicher Strick sind die Basis. Warme Farben wie Beige und Karamell variieren
die Töne von natürlichen Fellfarben mit fast therapeutisch entspannender Wirkung.
Die Formen sind unkompliziert und komfortabel. Neoclassics geben das Gefühl von
Vertrautheit und Etabliertsein. Dazu gehören Strickblazer zu sportiven Röcken,
Strickkleider mit Zopfmustern unter geraden Lederjacken und cosy Strickmäntel
über Cashmere-Jogginghosen. Weiche Beuteltaschen mit Krokoprägung und
hochwertige Sneaker aus Lackleder oder Metallic sind mögliche Accessoires. Aber
auch neue Pumps à la Prada, starlike Sonnenbrillen und ¾ lange Handschuhe passen
gut zur luxuriösen Entspanntheit.
Die Globalisierung setzt auch in der Mode deutliche Zeichen und bringt neue
Impulse. Von Japans Teenagern kommen die fantasievollsten Impulse. Nach ihrem
Vorbild werden im nächsten Herbst Streetwear und folkloristische Zitate zu sehr
individuellen Looks miteinander kombiniert. Die Herkunft der einzelnen Elemente
spielt dabei keine Rolle. Gestreifte Collegeblazer treffen auf Jodhpur-Hosen,
Minikilts werden mit Ringelpullis kombiniert und mit Liberty-Prints bedruckte Kleider
verstecken sich unter Army-Parkas. Über diese Streetwear-Einflüsse kommen auch
wieder Vintage-Jeans ins Spiel. Für die Accessoires gilt Fantasie und das „We-Are-
One-World-Motto“ als oberstes Prinzip.

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