Dass Zara künftig große Flächen in ehemaligen Peek & Cloppenburg Düsseldorf*-Häusern übernehmen könnte, ist weit mehr als eine Immobiliennachricht. Die Entwicklung zeigt, wie rasant sich die Machtverhältnisse im deutschen Modehandel verschieben. Während klassische Multilabel-Häuser ihre Flächen überdenken, bauen international starke Vertikalanbieter ihre Präsenz an den attraktivsten Einkaufsadressen weiter aus.
Für die Branche ist das ein Signal, das weit über Berlin, Düsseldorf oder Frankfurt hinausreicht.
Das Einkaufsverhalten verändert sich – Händler reagieren mit neuen Flächen- und Vertriebskonzepten.
Weniger Fläche, mehr Wirtschaftlichkeit
Jahrelang galten große Warenhäuser als Schaufenster für Marken unterschiedlichster Preislagen. Genau dieses Modell gerät zunehmend unter Druck. Hohe Betriebskosten, verändertes Einkaufsverhalten und der wachsende Online-Anteil machen riesige Verkaufsflächen immer schwieriger rentabel.
Wenn Peek & Cloppenburg tatsächlich Teile seiner prominentesten Standorte vermietet, steht dahinter vor allem eine wirtschaftliche Entscheidung. Größe allein ist heute kein Wettbewerbsvorteil mehr. Gefragt sind flexible Konzepte, die Ertrag und Flächeneffizienz stärker in den Mittelpunkt stellen.
Zara nutzt die Chance konsequent
Für Zara und den Mutterkonzern Inditex eröffnet sich dagegen eine seltene Gelegenheit. Innenstadtlagen dieser Größenordnung werden kaum frei. Wer solche Flächen übernimmt, sichert sich nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch langfristig eine starke Marktposition.
Das passt zur Strategie internationaler Vertikalanbieter. Sie steuern Sortiment, Produktion, Logistik und Verkauf selbst. Dadurch können Trends schneller umgesetzt und Kollektionen kurzfristiger angepasst werden als im klassischen Wholesale-Modell.
Marken verlieren wichtige Verkaufsflächen
Für viele Modelabels hat diese Entwicklung eine andere Dimension. Multilabel-Häuser waren über Jahrzehnte wichtige Vertriebspartner und boten Marken eine Bühne, die sie mit eigenen Stores oft nicht finanzieren konnten.
Fallen große Verkaufsflächen weg oder werden sie von Monobrand-Konzepten ersetzt, schrumpfen die Präsentationsmöglichkeiten erheblich. Besonders mittelständische Marken dürften den Wandel deutlich spüren. Sie müssen alternative Vertriebskanäle entwickeln und ihre Abhängigkeit vom klassischen stationären Handel weiter reduzieren.
Innenstädte drohen austauschbarer zu werden
Die Diskussion betrifft nicht nur den Modehandel. Auch die Attraktivität vieler Innenstädte steht auf dem Prüfstand. Internationale Filialisten prägen bereits heute zahlreiche Einkaufsstraßen. Wenn weitere große Häuser verschwinden, wächst die Gefahr einer zunehmenden Vereinheitlichung.
Für Verbraucher bedeutet das zwar häufig moderne Stores und ein klareres Einkaufserlebnis. Gleichzeitig geht jedoch ein Teil der Sortimentsvielfalt verloren, die Multilabel-Häuser bislang auszeichnete.
Große Einzelhandelsflächen in Toplagen wie dem Berliner Potsdamer Platz stehen exemplarisch für den Strukturwandel deutscher Innenstädte.
Der Wandel beschleunigt sich
Der mögliche Flächendeal reiht sich in eine Entwicklung ein, die den deutschen Einzelhandel seit Jahren begleitet. Steigende Kosten, zurückhaltende Konsumenten und die Konkurrenz des E-Commerce verändern die Anforderungen an stationäre Konzepte grundlegend.
Für Händler reicht es längst nicht mehr aus, möglichst große Verkaufsflächen zu betreiben. Entscheidend wird, wie effizient Flächen genutzt werden, welche Services Kunden erhalten und wie Online- und Offlinegeschäft miteinander verzahnt werden.
Die Nachricht rund um Peek & Cloppenburg und Zara dürfte deshalb weit über die aktuellen Vertragsverhandlungen hinaus Wirkung entfalten. Sie steht exemplarisch für einen Strukturwandel, der den deutschen Modehandel noch über Jahre beschäftigen wird. Gewinner werden jene Unternehmen sein, die ihre Geschäftsmodelle konsequent an das veränderte Kaufverhalten anpassen – unabhängig davon, ob sie Filialist, Markenhersteller oder Multilabel-Händler sind.
* Hinweis: Unter dem Namen Peek & Cloppenburg sind in Deutschland zwei rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen mit Hauptsitzen in Düsseldorf und Hamburg tätig. Dieser Beitrag bezieht sich ausschließlich auf Peek & Cloppenburg Düsseldorf.
Sandra interessiert sich seit vielen Jahren für Mode, Trends und stilvolle Alltagslooks. Besonders spannend findet sie die Styles, die nicht nur auf Instagram funktionieren, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Mit zwei Töchtern (20 und 17) bleibt sie modisch automatisch nah an dem, was gerade angesagt ist. Neue Trends, Social-Media-Hypes und aktuelle Pieces landen bei ihr oft schon früh im Gespräch und manchmal auch direkt im Kleiderschrank. Sie liebt unkomplizierte Styles, gutes Denim und Sneaker, die jedes Outfit ein bisschen lässiger machen.
