Millionenschwere Klassiker ziehen bei einem Concours normalerweise die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Am vergangenen Wochenende war es ausgerechnet etwas anderes, das mir als Erstes aufgefallen ist: Niemand hatte es eilig.
Während auf vielen Veranstaltungen Programmpunkte im Minutentakt wechseln und Besucher versuchen, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit mitzunehmen, schien die Zeit auf Gut Kaltenbrunn für zwei Tage etwas langsamer zu laufen. Niemand hastete von Fahrzeug zu Fahrzeug, niemand drängelte sich für das perfekte Foto nach vorne. Stattdessen wurde geschlendert, geschaut, diskutiert und gelacht. Genau diese Gelassenheit zog sich durch das gesamte Wochenende und machte die Veranstaltung für mich so angenehm anders.
Gut Kaltenbrunn ist keine Kulisse, die nur schön aussieht. Das historische Anwesen wird Teil des gesamten Konzepts. Die Automobile verteilen sich über das komplette Gelände und genau dadurch fühlt sich der Rundgang nie wie eine klassische Ausstellung an. Bereits im vorderen Bereich begrüßen die ersten Fahrzeuge die Besucher, im Innenhof warten weitere Klassiker und hinter dem Gut öffnen sich neue Bereiche mit Blick auf den Tegernsee. Man folgt keinem vorgegebenen Weg. Man läuft einfach los und entdeckt das Event Schritt für Schritt.
Zwischen Innenhof, See und alten Mauern
Nach einigen Minuten hatte ich aufgehört, nach bestimmten Fahrzeugen zu suchen. Das klingt vielleicht merkwürdig, wenn man auf einem Concours unterwegs ist, auf dem einige der seltensten Automobile Europas stehen, doch genau das machte für mich den Reiz aus. Ich ließ mich treiben, bog einfach dort ab, wo gerade weniger Menschen unterwegs waren, blieb stehen, wenn irgendwo diskutiert wurde, und stellte schnell fest, dass der eigentliche Charme dieser Veranstaltung nicht in einer Liste besonderer Fahrzeuge steckt, sondern in der Art, wie sie präsentiert werden.
Die Automobile wirken auf Gut Kaltenbrunn nicht wie Exponate in einer Ausstellung. Sie gehören für dieses Wochenende ganz selbstverständlich zum Anwesen. Zwischen historischen Mauern, gepflegten Grünflächen und kleinen Wegen ergeben sich immer wieder neue Perspektiven, ohne dass jemand versucht, den Besuchern vorzuschreiben, wo sie als Nächstes hinschauen sollen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich der Concours trotz seiner Exklusivität so entspannt anfühlt.
Noch etwas ist mir aufgefallen. Niemand schien unter Zeitdruck zu stehen. Besucher blieben stehen, unterhielten sich mit den Besitzern der Fahrzeuge oder beobachteten einfach das Geschehen. Es entstand nie der Eindruck, dass möglichst viele Programmpunkte in kurzer Zeit erledigt werden mussten. Gerade diese Ruhe passt erstaunlich gut zu einem Wochenende am Tegernsee.
Natürlich gab es Momente, an denen ich trotzdem stehen geblieben bin. Vor einem Mercedes-Benz 300 SL, dessen Flügeltüren selbst Jahrzehnte nach seiner Premiere nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Vor einem Ferrari Daytona, der auch zwischen deutlich älteren Fahrzeugen sofort alle Blicke auf sich zog. Oder vor einem Bentley aus den Zwanzigerjahren, bei dem man unweigerlich darüber nachdenkt, welche Geschichten dieses Automobil in fast einem Jahrhundert erlebt haben muss. Genau diese Mischung aus unterschiedlichen Epochen macht den Concours so spannend.
Ein Publikum, das den Charakter des Events prägt
Wer einen Concours zum ersten Mal besucht, erwartet vielleicht eine Veranstaltung für Sammler und Automobil-Enthusiasten. Natürlich waren sie da. Gleichzeitig begegneten mir aber genauso viele Menschen, die wegen des Ambientes, der Region oder einfach aus Neugier gekommen waren. Junge Paare, Familien, Fotografen, Unternehmer und Besucher aus unterschiedlichen Ländern bewegten sich ganz selbstverständlich über das Gelände. Niemand musste sich erklären, niemand musste beweisen, wie viel Fachwissen er besitzt.
Vielleicht macht genau das dieses Wochenende inzwischen so interessant. Das Event schafft es, unterschiedliche Interessen miteinander zu verbinden. Die einen bleiben vor einem Vorkriegs-Klassiker stehen, andere interessieren sich für die Geschichte dahinter, wieder andere genießen einfach den Tag am Tegernsee. Alles existiert nebeneinander, ohne sich gegenseitig in den Vordergrund zu drängen.
Die schönsten Gespräche entstehen oft ganz nebenbei
Wenn ich an das vergangene Wochenende zurückdenke, denke ich erstaunlich wenig an einzelne Fahrzeuge. Viel präsenter sind die Gespräche, die sich ganz selbstverständlich zwischen den Rundgängen ergeben haben. Genau das ist für mich der große Unterschied zu vielen anderen Veranstaltungen. Niemand schaut ständig auf die Uhr oder hetzt zum nächsten Programmpunkt. Man bleibt stehen, kommt ins Gespräch und nimmt sich Zeit.
Zu den Begegnungen, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, gehört ohne Zweifel unser Gespräch bei Lengling Munich. Eigentlich ging es zunächst um Düfte, entwickelte sich dann aber schnell zu einem Gespräch über Handwerk, Qualität und darüber, weshalb Produkte mit Charakter oft dieselben Menschen begeistern – ganz gleich, ob es sich um ein außergewöhnliches Parfum oder einen historischen Klassiker handelt. Genau diese Begegnungen bleiben am Ende viel länger in Erinnerung als jede Fahrzeugliste.
Wenige Schritte weiter kamen wir mit dem Team von Falconeri ins Gespräch, das den Concours als Exclusive Fashion Partner und Official Partner of the Ladies‘ Concours begleitet hat. Gerade solche Partnerschaften zeigen, dass sich der Concours of Elegance Germany längst nicht mehr ausschließlich an Automobil-Enthusiasten richtet. Mode, Design, Genuss und Handwerkskunst gehören inzwischen genauso selbstverständlich zu diesem Wochenende wie außergewöhnliche Fahrzeuge.
Ein Biergarten, der genauso dazugehört
Nach einigen Stunden über das Gelände war der Biergarten genau der richtige Ort, um den Tag kurz wirken zu lassen. Zwischen Besuchern, Partnern und Eigentümern verschwanden die Unterschiede schnell. Man saß zusammen, tauschte Eindrücke aus und plante den nächsten Rundgang.
Wir entschieden uns für die Vesperplatte und genau das passte zu diesem Wochenende. Kein überinszeniertes Fine Dining, sondern leckere regionale Küche in einer Umgebung, die wir wahrscheinlich noch lange mit diesem Event verbinden werden.
Dort, wo plötzlich Millionen den Besitzer wechseln
Ich wusste natürlich, dass RM Sotheby’s wieder Teil des Concours of Elegance Germany sein würde. Trotzdem ist es etwas völlig anderes, wenn man wenige Meter entfernt steht und weiß, dass hinter den Türen gerade Fahrzeuge versteigert werden, von denen viele Sammler ihr Leben lang träumen.
Während draußen Besucher zwischen den Klassikern unterwegs waren, Gespräche führten und immer wieder an den verschiedenen Fahrzeugen stehen blieben, ging es drinnen um Summen, die selbst in der Welt exklusiver Automobile außergewöhnlich sind. Genau dieser Kontrast hat mir gefallen. Draußen herrschte eine fast entspannte Gelassenheit, drinnen wechselten innerhalb kurzer Zeit Fahrzeuge im Wert von mehreren Millionen Euro ihre Besitzer.
Als später die Ergebnisse veröffentlicht wurden, war schnell klar, welchen Stellenwert diese Auktion inzwischen hat. 91 Prozent aller angebotenen Fahrzeuge wurden verkauft, insgesamt kamen rund 10,5 Millionen Euro zusammen. Der Spitzenreiter war ein Ferrari 599XX Evo, der für 2.536.250 Euro versteigert wurde. Dahinter folgten unter anderem ein Ferrari 812 Competizione für 1.467.500 Euro sowie ein Porsche Carrera GT, der 1.445.000 Euro erzielte.
Ehrlich gesagt musste ich diesen Kontrast erst einmal wirken lassen. Viel spannender fand ich den Gedanken, dass all das Teil desselben Wochenendes war. Draußen schlendern Besucher entspannt über das Gelände von Gut Kaltenbrunn, genießen den Blick auf den Tegernsee oder kommen mit Besitzern ins Gespräch, während wenige Schritte entfernt einige der begehrtesten Sammlerfahrzeuge der Welt den Eigentümer wechseln. Genau diese Mischung macht den Concours of Elegance Germany inzwischen so besonders.
Warum ich schon jetzt an das nächste Jahr denke
Wenn ich an das vergangene Wochenende zurückdenke, fallen mir erstaunlicherweise nicht zuerst einzelne Fahrzeuge ein. Ich denke an Gut Kaltenbrunn, an die Gespräche zwischendurch, an den Blick über den Tegernsee und an dieses angenehme Tempo, das den gesamten Concours geprägt hat.
Der Concours of Elegance Germany möchte niemanden mit immer neuen Superlativen beeindrucken. Stattdessen schafft er einen Rahmen, in dem außergewöhnliche Automobile, interessante Menschen, gute Gespräche und ein besonderer Ort ganz selbstverständlich zusammenfinden.
Vielleicht ist genau das das Schönste, was man über den Concours of Elegance Germany sagen kann. Zwei Tage lang dreht sich alles um außergewöhnliche Automobile – und trotzdem nimmt sich jeder die Zeit, sie wirklich zu genießen.
Sandra interessiert sich seit vielen Jahren für Mode, Trends und stilvolle Alltagslooks. Besonders spannend findet sie die Styles, die nicht nur auf Instagram funktionieren, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Mit zwei Töchtern (20 und 17) bleibt sie modisch automatisch nah an dem, was gerade angesagt ist. Neue Trends, Social-Media-Hypes und aktuelle Pieces landen bei ihr oft schon früh im Gespräch und manchmal auch direkt im Kleiderschrank. Sie liebt unkomplizierte Styles, gutes Denim und Sneaker, die jedes Outfit ein bisschen lässiger machen.
