Hohe Absätze, falsche BH Größen und Textilchemie machen uns das Leben schwer

Wer schön sein will, muss leiden? Wenn Kleidung krank macht
Karl Lagerfeld ist nicht nur für seine Kollektionen berühmt, sondern auch für ein stilistisch epochales Statement: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Nun lässt sich ja über Geschmack bekanntermaßen nicht streiten, auch wenn es schmerzlich für die Augen – oder das Ego – des Modeschöpfers sein muss. Dass allerdings viele Kleidungsstücke, aus verschieden Gründen krank machen, kann auch ein Lagerfeld nicht leugnen.

Schöne Spitze, hohe Hacke – die Dosis macht das Gift
Das fängt schon damit an, was manche Damen mit ihren Füßen anstellen. Hohe Absätze schaffen sinnlich lange Beine. Aber je höher hinaus es geht, desto schwerer wird es, die Haltung zu bewahren. Hohe Absätze zwingen die Wirbelsäule in eine unnatürliche Hohlkreuz-Stellung. Das stundenlang auszuhalten, muss man allein schon als sportliche und ästhetische Höchstleistung respektieren, zu der kein Mann je im Leben fähig wäre. Im schlimmsten Fall droht auf Dauer aber, dass sich die Wadenmuskulatur und die Achillessehnen schmerzhaft verkürzen. Keine Lösung sondern nicht nur optisch echte Stolpersteine sind dicke Plateau-Sohlen. Die entspannen zwar den Rücken bei hochhackigen Schuhen etwas, dafür stören sie empfindlich die Sensorik beim Gehen. Stolper und Sturz-Unfälle sind vorprogrammiert.

Übertrieben spitze Schuhe machen zwar den von Schuhverkäufern gerne angepriesenen „schlanken Fuß“ – schädigen ihn aber auch mit der Zeit. Der ständige Druck führt zu Hühneraugen, Krallen- und Hammerzehen. Am Ende hilft nur noch eine Operation. Orthopäden raten deshalb, spitzes Schuhwerk nur sehr dosiert einzusetzen. Alleine schon, weil es die Optik des Fußes für die im Sommer so beliebten Flip-Flops ruiniert. Die sind sogar empfehlenswert, obwohl man sich mit den Zehen ständig in ihnen festkrallen muss – das trainiert die Fußmuskulatur. Apropos Optik: Als stilistische Entgleisung betrachten manche die populären Crocs. Karl Lagerfeld hat sich noch nicht geäußert, Orthopäden schon. Sie warnen: Gerade barfuß getragen werden die Plastiklatschen zum Mutterschiff für Keime und Pilze – Fußpilz droht.

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Wenn der Kopf schmerzt, kann der BH schuld sein
Gynäkologen beklagen, dass sich viele Frauen ausgerechnet mit dem markantesten Teil ihrer Anatomie nicht auskennen – ihrer Brust. Rund die Hälfte aller Frauen trägt einen BH, der nicht passt. Pessimistischere Schätzungen gehen gar von 80 Prozent aus. Schlecht sitzende BHs können für ein ganzes Bündel von Beschwerden verantwortlich sein. Ein verführerisches Design ist vielen wichtiger als die Passform. Die wird dann provisorisch ausgeglichen mit irgendwelchen Verlängerungsstücken oder extrem kurzen Trägern. Das Ergebnis: Zu stramme Träger schnüren Blutgefäße ab und verursachen Kopfschmerzen. Zu schmale Träger schneiden in die Haut ein und drücken auf Nerven und Muskeln. Schmerzen in Nacken, den Schultern und sogar den Armen sind die Folge. Besonders bei Frauen mit großer Oberweite macht es sich schnell schmerzhaft bemerkbar, wenn sie das Unterbrustband zu schmal und zu weit wählen. Das Band verliert so seine Stützfunktion. Der BH rutscht am Rücken hoch und die Wirbel müssen die gesamte Last tragen. Die unvermeidliche Fehlhaltung führt zu Rückenschmerzen.

Druckstellen, Striemen oder gar Abschürfungen sind klare Indizien für einen schlecht sitzenden BH. Frauenärzte raten deshalb, die Brust und den Brustumfang ordentlich auszumessen. Es ist ganz einfach: Einmal ein Maßband locker direkt unter der Brust anlegen – so ergibt sich als Umfang der erste Wert der BH-Größe, zum Beispiel 85. Die zweite Messung erfolgt auf Höhe der Brustwarzen. Aus der Differenz beider Werte ergibt sich die Körbchen-Größe. 12 bis 14 Zentimeter entsprechen einem A-Cup, 14 bis 16 Zentimeter einem B, 16 bis 18 Zentimeter einem C usw.. Die gute medizinische Nachricht: Ein früher vereinzelt befürchteter Zusammenhang zwischen zu engen BHs und Brustkrebs-Erkrankungen gilt als widerlegt.

Sondermüll im Kleiderschrank
Was wir tragen, hat auch etwas mit globaler und sozialer Verantwortung zu tun. Denn Kleidung kann auch die Menschen schädigen, die sie herstellen oder die in der Umgebung von Textilfabriken leben. In Fernost gibt es mancherorts mit Textilfarben eingefärbte Flüsse und vergiftete Atemluft. Das Bewusstsein dafür können wir schärfen, wenn wir bedenken, dass mancher zur sogenannten Textilausrüstung verwendete Chemiecocktail auch ihren Träger krank machen kann. Streng genommen sind manche Kleidungsstücke Sondermüll. Als besonders problematisch gelten Dispersions- und Azo-Farben. Manche Dispersionsfarben können bei engem Hautkontakt besonders in den Schwitz-Zonen Allergien auslösen. Noch gefährlicher sind die billigen aber brillanten Azo-Farben. Weil sie krebserregend sein können, ist ihre Verwendung in Spielzeug oder Kosmetika längst verboten. In Kleidung aus Fernost dagegen sind sie noch Standard. Als fruchtschädigend haben sich Phtalate erwiesen. Der Weichmacher steckt nicht nur in Textil-Aufdrucken und den Folien-Verpackungen. Er wird auch als Färbebeschleuniger verwendet. Leider gibt es tausende dieser Ausrüstungs-Mittel – sie passen auf kein Kleidungs-Etikett.
Experten raten in erster Linie zur Geruchsprobe. Wenn’s der Nase nicht passt, sollte man es auch besser nicht kaufen. Körpernahe Kleidungsstücke sollte man vor dem ersten Tragen waschen – leider gelangen die Schadstoffe dadurch natürlich auch hier ins Wasser. Sehr bewusste Käufer greifen zur Klamotte mit Öko-Siegel – die freilich führen in der schieren Menge der angebotenen Mode noch ein Schattendasein.

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