Wie die Mode das Tennisspiel verändert hat

Damenhaft-elegant, züchtig verhüllend, kurz und gewagt oder extravagant? Im Damentennis macht immer wieder auch die Kleidung der Sportlerinnen Schlagzeilen. Dabei haben die Änderungen in den Outfits nicht nur zu neuen Trends auch in der Straßenkleidung geführt, sie haben es den Frauen überhaupt erst ermöglicht, ihre sportlichen Talente unter Beweis zu stellen.

Während die Männer zwar ebenfalls in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts deutlich mehr Stoff trugen und mit ihren langen Flanellhosen, weißen Hemden und weißen Pullovern aussahen wie britische Cricketspieler, so hatten sie doch Bewegungsfreiheit.

Die Damen sahen sich stattdessen in knöchellange Röcke und in den Bund gesteckte langärmelige Blusen gezwängt, während mit Pech ihre Sicht sogar durch einen Hut eingeschränkt war.

Dass Sportkleidung gleichzeitig chic und praktisch sein konnte, stellte einer der bekanntesten Modeschöpfer der 20er Jahre unter Beweis. Jean Patou entwarf für die französische Athletin Suzanne „La Divine“ Lenglen eine der damaligen Flappermode entsprechende Uniform. Die ärmellosen Kleider mit knielangen Faltenröcken, Strickjacken mit Monogramm und um den kurzen Bubikopf geschlungenen Bandeaus in rot und orange waren so revolutionär, dass sie Suzanne Lenglen internationale Anerkennung auch als Fashion-Trendsetterin bescherten und 1926 sogar im illustren Modemagazin Vogue abgebildet wurden.

Genauso Aufsehen erregend wie ihre Kleidung waren auch ihre sportlichen Erfolge. Zwölf Siege in Wimbledon im Einzel und im Doppel, olympisches Gold 1920 im Einzel und im Doppel, 13 Siege bei den French Open im Einzel, Doppel und gemischten Doppel – Suzanne Lenglen sah nicht nur aus wie ein Star, sie war die unangefochtene Herrscherin der weiblichen Tenniswelt. Sechs Jahre lang, von 1921 bis 1926, war sie die Nummer eins der Weltrangliste. Dabei brach sie eine Menge Tabus, was die Kleidung anbetraf. Das reichte von nackten Armen und skandalösem Dekollete bis zu den nur in hauchdünnen Strümpfen steckenden Beinen.

Die Männermode hingegen machte nur eine echte Änderung durch, als der britische Tennisspieler Henry Austin 1932 in Wimbledon statt in langen Hosen in Shorts antrat.

Eine ähnliche Bewegungsfreiheit blieb den Frauen noch lange Zeit danach verwehrt. Erst in den 50er Jahren wurden die Röcke auf den Courts zum Mini. Wie weit die neue Freiheit dazu führte, aller Welt zu zeigen, dass die Tennisdamen es sportlich auch mit den deutlich bekannteren Herren aufzunehmen, bewies die Amerikanerin Billie Jean King 1973 mit ihrem Geschichte machenden Match gegen Bobby Riggs. In einem strassbesetzten grün-blauen Kleid gewann sie den im Hollywood-Film „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ verewigten Schaukampf.

Die Mode im Tennis hat auch dazu beigetragen, den einst als elitär geltenden weißen Sport bunter und allgemein zugänglicher zu machen. Obwohl die Weltrangliste der Herren seit rund zehn Jahren von einem aus dem Schweizer Roger Federer, dem Spanier Rafael Nadal und dem Serben Novak Djokovic bestehenden Triumvirat beherrscht wird, steigt das Interesse an dem Sport. Dazu trägt unter anderem die Technologie bei. Wo einst auf Übertragungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen oder im Radio gehofft werden musste, falls man nicht zu den Glücklichen im Stadion gehörte, sind die Begegnungen inzwischen über Bezahlsender, Streaming-Dienste und mehr auf Abruf zu sehen. Das Interesse der Fans sowohl bei den Damen wie bei den Herren zeigt sich auch bei den Tenniswetten von William Hill.

Im Gegensatz zu den Herren werden die Tennisdamen dabei auch ein Jahrhundert nach Suzanne Lenglens erstem Wimbledonsieg noch für ihren modischen Stil unter die Lupe genommen.

Vor allem Serena Williams macht dabei Schlagzeilen. Die US-amerikanische Ausnahmespielerin, die seit der Jahrtausendwende die Courts zum Großteil dominiert, hat mit ihren farbenfrohen und knapp bemessenen Outfits so manchen schockierten Kommentar, aber auch Trend ausgelöst.

Ihr hautenger schwarzer Catsuit, den sie auch aus gesundheitlichen Gründen nach der Geburt ihrer Tochter getragen haben soll, führte 2018 sogar dazu, dass der Französische Tennisbund einen neuen Dresscode in Erwägung zog.

Was den französischen Funktionären zu weit ging, macht Modefans glücklich. Serena Williams, die bereits in der Vergangenheit diverse Fashionlinien auf den Markt gebracht hat, macht seit 2018 unter ihrem eigenen Namen Mode. Prominenter Fan ist unter anderem Herzogin Meghan, die kurz nach der Premiere von „Serena“ in einem Blazer aus der Kollektion fotografiert wurde.

Die in diesem Sommer hinzugekommenen Kleider sind fast alle binnen kurzem ausverkauft gewesen.

Dass Tennisstars Mode machen, hat inzwischen schon Tradition. Deutschlands Superstar Steffi Graf, die in den 80er und 90er Jahren zahlreiche Rekorde aufgestellt hat, brachte 2002 eine Taschenkollektion auf den Markt. Später folgte eine Modekollektion in Zusammenhang mit Adidas, die ihren Namen trug.

Tennislegende Björn Borg hat seit etlichen Jahren eine gleichnamige Unterwäschekollektion für Männer auf dem Markt.

Auch Roger Federer, der auf dem Court vor allem für seinen klassischen Kleidungsstil gelobt wird, hat seine modischen Spuren hinterlassen. Vor drei Jahren wurde seine Kollektion „Nike Court x Roger Federer“ vorgestellt.

Tennismoden, die den Alltagslook beeinflusst haben, sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Modewelt. Poloshirts, kurze Röcke und komfortable Sneaker kommen nie ganz aus der Mode. Auch Luxuslabel wie Chanel können dem weißen (oder vor allem dank Serena Williams mittlerweile auch farbenfrohen) Sport nicht widerstehen. Designerlegende Karl Lagerfeld ließ sich in seiner Kollektion im Frühjahr 2014 für das französische Modehaus von den Outfits auf den Damencourts inspirieren und zeigte auf dem Laufsteg Tennisröcke.

Chick, praktisch und zugleich bequem lautet dabei das Motto. Serena Williams hat dabei in ihrem neuen Label vor allem auch darauf geachtet, dass die Kleidungsstücke auch für Frauen tragbar sind, die keine Modelmaße besitzen. Damit bleibt sie den besten Traditionen des Sports treu, in dem Änderungen bei der Kleidung nicht nur optisch attraktiv sein sollten, sondern in erster Linie den Trägerinnen neue Freiheit verschafften. Wie erfolgreich sie als Trendsetterin ist, zeigt sich bei Serena Williams an den Debatten und Schlagzeilen vor ihren Turnieren. Dabei werden mit Vorliebe Spekulationen über ihr Outfit, ihre Frisur und ihre Fingernägel angestellt. Welche Siegeschancen der ehemaligen Weltranglistenersten und 23-fachen Grand-Slam-Siegerin eingeräumt werden, wird dabei oft erst an zweiter Stelle diskutiert. Selbst wenn sie ausnahmsweise geschlagen vom Platz geht, im Rampenlicht bleibt sie dennoch, ob sie nun im schwarzen Catsuit, Tutu oder im traditionellen weißen Röckchen aufschlägt. Wo Serena Williams geht, folgt die Modewelt.

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