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Keller-Warth insolvent: Warum der Modehandel immer stärker unter Druck gerät

Kleidungsstücke auf einer Kleiderstange im Modegeschäft – Symbolbild zur Keller-Warth-Insolvenz
Die Insolvenz von Keller-Warth zeigt die wirtschaftlichen Herausforderungen traditioneller Modehäuser. Symbolbild.

Die Modehauskette Keller-Warth aus Biberach an der Riß hat Insolvenz angemeldet. Betroffen sind 14 Geschäfte an sieben Standorten und knapp 90 Beschäftigte. Der Verkauf soll zunächst weiterlaufen. Nach 162 Jahren Unternehmensgeschichte muss sich das Familienunternehmen nun die Frage stellen, wie seine Zukunft aussehen kann.

Die Nachricht reicht weit über Oberschwaben hinaus. Denn während internationale Online-Händler um Marktanteile kämpfen, stehen viele klassische Modegeschäfte vor einem anderen Problem: Sie müssen ihre Verkaufsflächen finanzieren, obwohl der Einkaufsbummel für einen Teil der Kundschaft längst nicht mehr selbstverständlich ist. Dazu kommt eine wirtschaftliche Unsicherheit, die gerade bei Kleidung schnell zu aufgeschobenen Käufen führt.

Was bei Keller-Warth konkret zur Insolvenz geführt hat, lässt sich nicht allein aus allgemeinen Branchentrends erklären. Die vom Unternehmen genannten Belastungen und die Veränderungen im deutschen Modehandel zeigen jedoch, wie schwierig das Geschäft geworden ist.

Fußgängerzone mit Modegeschäften, Schaufenstern und Außengastronomie in einer Innenstadt

Weniger Laufkundschaft und veränderte Einkaufsgewohnheiten stellen traditionelle Modehäuser vor wirtschaftliche Herausforderungen. .

Keller-Warth meldet Insolvenz an: Was bisher bekannt ist

Die Modehaus Keller-Warth GmbH hat beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das 1864 gegründete Familienunternehmen betreibt unter der Marke WARTH 14 Geschäfte an sieben Standorten in Süddeutschland. Genannt werden Biberach, Ravensburg, Laupheim, Riedlingen, Überlingen, Freiburg und Oberjoch. Geschäftsführer Günter Warth führt den Betrieb in fünfter Generation.

Das Gericht ordnete am 29. September 2026 vorläufige Sicherungsmaßnahmen an und bestellte den Ulmer Rechtsanwalt Michael Winterhoff zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Seine Aufgabe besteht zunächst darin, die wirtschaftliche Lage zu prüfen und mögliche Wege für eine Fortführung zu bewerten.

Für die knapp 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beginnt damit eine ungewisse Zeit. Die Filialen bleiben nach den bislang veröffentlichten Angaben geöffnet. Über konkrete Schließungen oder einen Personalabbau ist noch nichts entschieden.

Welche Ursachen das Unternehmen nennt

In seiner Mitteilung verweist Keller-Warth auf mehrere Belastungen: die Nachwirkungen der Corona-Schließungen, weniger Besucher in den Innenstädten, anhaltende Konsumzurückhaltung und gestiegene Betriebskosten. Auch die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen stehen auf dem Prüfstand.

Das klingt zunächst nach den bekannten Schwierigkeiten des Einzelhandels. Für ein Unternehmen mit mehreren Filialen kann die Kombination jedoch gefährlich werden. Jeder Standort benötigt Personal, Ware und eine ausreichend hohe Nachfrage. Wenn diese Rechnung an mehreren Orten nicht mehr aufgeht, gerät auch ein traditionsreicher Familienbetrieb unter Druck.

Welche Belastung bei Keller-Warth finanziell am schwersten wiegt, ist öffentlich nicht beziffert. Eine genaue Bewertung bleibt deshalb dem Insolvenzverfahren vorbehalten.

Online-Shopping hat den Modekauf grundlegend verändert

Früher führte die Suche nach einer neuen Jacke oder einem Kleid häufig direkt in die Innenstadt. Heute beginnt sie oft auf dem Smartphone. Kunden vergleichen Marken, prüfen Preise und bestellen Kleidung, ohne ein Geschäft betreten zu müssen. Die Auswahl endet dabei nicht an der nächsten Stadtgrenze.

Plattformen wie Zalando und About You, internationale Modeketten und digitale Marktplätze konkurrieren um dieselben Kaufentscheidungen. Ihr Vorteil liegt nicht zwangsläufig im günstigsten Preis. Es ist vor allem die einfache Verfügbarkeit: Produkte lassen sich jederzeit suchen, vergleichen und bestellen.

Wie unterschiedlich sich die Vertriebswege entwickeln, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für August 2026. Während der reale Umsatz des Einzelhandels insgesamt um 0,4 Prozent unter dem Vorjahresmonat lag, verzeichnete der Internet- und Versandhandel ein reales Plus von 3,5 Prozent.

Die Statistik umfasst den gesamten Einzelhandel, nicht nur Mode. Sie belegt daher weder einen entsprechenden Rückgang im Bekleidungshandel noch einen direkten Zusammenhang mit der Insolvenz von Keller-Warth. Sichtbar wird aber, dass digitale Vertriebswege auch bei schwacher allgemeiner Nachfrage wachsen können.

Der Preisvergleich verändert die Erwartungen

Für Modehäuser entsteht ein weiterer Druck durch die ständige Sichtbarkeit von Sonderangeboten. Wer online einkauft, sieht innerhalb weniger Minuten ähnliche Kleidungsstücke in unterschiedlichen Preisklassen. Ein regulärer Ladenpreis kann dadurch hoch erscheinen, selbst wenn er durch Materialqualität, Einkaufskonditionen oder Service gerechtfertigt ist.

Besonders ausgeprägt ist dieser Wettbewerb bei Anbietern mit schnell wechselnden, preisgünstigen Kollektionen. Die ökologischen und gesellschaftlichen Folgen dieses Geschäftsmodells beleuchtet Fashion Insider im Beitrag über die Auswirkungen von Fast Fashion auf Umwelt und Gesellschaft.

Für klassische Multimarken-Modehäuser ist die Situation anspruchsvoll. Sie können weder jeden Online-Rabatt mitgehen noch im Tempo großer Modeketten neue Ware präsentieren. Ihre Stärke muss deshalb woanders liegen: in einer überzeugenden Auswahl, passenden Marken und einem Service, den Kunden tatsächlich schätzen.

Frau kauft Kleidung in einem Online-Modegeschäft am Laptop und hält eine Kreditkarte sowie ein Paket mit Sale-Aufdruck.

Mode online bestellen, Preise vergleichen und Rabattaktionen nutzen: Der digitale Einkauf verändert die Erwartungen der Kunden und erhöht den Wettbewerbsdruck auf stationäre Modehäuser. Symbolbild.

Was der Laden besser kann – und wo seine Grenzen liegen

Eine Hose sofort anprobieren, die Verarbeitung eines Mantels prüfen oder sich bei einer schwierigen Passform beraten lassen: Das sind handfeste Vorteile des stationären Handels. Gerade bei hochwertiger Kleidung lässt sich nicht jede Kaufentscheidung anhand von Produktfotos treffen.

Nur müssen diese Vorteile auch genutzt werden. Wer sein Wunschprodukt bereits online gefunden und bestellt hat, kommt nicht mehr für eine Beratung in die Stadt. Ein gutes Verkaufsgespräch allein schafft deshalb noch keine ausreichende Kundenfrequenz.

Ein zeitgemäßer Internetauftritt kann die Lücke verkleinern. Er zeigt, welche Marken erhältlich sind, erleichtert die Kontaktaufnahme und macht ein Geschäft auch für Menschen sichtbar, die zunächst digital suchen. Dafür braucht nicht jedes regionale Modehaus einen eigenen Online-Shop mit umfangreicher Logistik. Entscheidend ist, dass die digitale Präsenz zum tatsächlichen Geschäftsmodell passt.

Rezessionsängste: Warum Kleidung schnell von der Einkaufsliste verschwindet

Eine kaputte Waschmaschine muss ersetzt werden. Der neue Mantel kann dagegen häufig warten. Genau darin liegt eine besondere Anfälligkeit des Bekleidungshandels: Ein großer Teil der Nachfrage ist aufschiebbar.

Wenn Menschen um ihren Arbeitsplatz fürchten, steigende Lebenshaltungskosten erwarten oder ihre finanzielle Zukunft schlechter einschätzen, verändern sie oft ihre Prioritäten. Die vorhandene Garderobe wird länger getragen. Neue Kleidung kommt erst infrage, wenn sie gebraucht wird oder deutlich reduziert ist.

Dafür muss die Wirtschaft nicht einmal offiziell in einer Rezession stecken. Bereits die Erwartung schwierigerer Zeiten kann ausreichen, um Kaufentscheidungen zu verschieben. Der Begriff Rezessionsangst beschreibt hier also die Verunsicherung der Verbraucher – nicht die Behauptung, eine Rezession sei als Ursache der Keller-Warth-Insolvenz nachgewiesen.

Diese Zurückhaltung trifft Modehändler nicht überall gleich. Kunden mit kleinerem Budget achten möglicherweise stärker auf Preise. Andere kaufen seltener, investieren dann aber bewusst in hochwertige Stücke. Für Geschäfte, die zwischen günstiger Massenware und Premium-Segment positioniert sind, wird es schwieriger, ihre Zielgruppe klar anzusprechen.

Das Risiko liegt in der Saisonware

Wenn ein Modegeschäft im Herbst weniger Mäntel verkauft als geplant, lässt sich der Verlust nicht beliebig später aufholen. Mit dem Wechsel der Saison sinkt die Nachfrage nach bestimmten Artikeln. Häufig bleiben dann nur Preisnachlässe, um Platz für die nächste Kollektion zu schaffen.

Das Problem ist weniger der einzelne Rabatt als seine Wirkung auf die gesamte Kalkulation. Die Ware wurde bereits eingekauft, während die laufenden Kosten weiter bezahlt werden müssen. Je länger größere Bestände liegen bleiben, desto weniger finanzieller Spielraum steht für neue Ware zur Verfügung.

So kann aus einer schwachen Verkaufssaison eine angespannte Liquiditätssituation entstehen. Besonders kritisch wird es, wenn sich diese Entwicklung wiederholt und finanzielle Reserven fehlen. Ob und in welchem Umfang das bei Keller-Warth der Fall war, ist bislang nicht öffentlich dokumentiert.

Warum traditionelle Modehäuser in Innenstädten besonders kämpfen

Ein Modehaus benötigt mehr als eine attraktive Kollektion. Es braucht ausreichend Kunden, um seine Verkaufsflächen wirtschaftlich zu betreiben. Miete, Energie, Personal und Warenpräsentation verursachen Ausgaben, bevor das erste Kleidungsstück verkauft ist.

Sinkt die Besucherzahl, verschlechtert sich deshalb häufig das Verhältnis zwischen Umsatz und laufenden Kosten. Eine großzügige Verkaufsfläche, die früher ein Zeichen für Auswahl und Bedeutung war, kann dann zur Belastung werden.

Hinzu kommt ein Wandel der Innenstädte. Der klassische Einkaufsbummel konkurriert mit Online-Bestellungen, Einkaufszentren und anderen Freizeitangeboten. Wo weniger Menschen unterwegs sind, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit spontaner Käufe. Ein Schaufenster kann schließlich nur diejenigen erreichen, die daran vorbeigehen.

Das bedeutet nicht, dass jede Innenstadt gleichermaßen an Attraktivität verliert. Lage, Erreichbarkeit, Gastronomie und die Mischung der Geschäfte unterscheiden sich erheblich. Für Händler zählt deshalb zunehmend die tatsächliche Qualität eines Standorts und nicht allein seine Tradition.

Große Flächen sind nicht automatisch ein Vorteil

Auch bekannte Modeunternehmen prüfen, ob ihre bisherigen Verkaufsflächen noch zur Nachfrage passen. Dabei geht es nicht nur um die Größe eines Geschäfts, sondern um die Frage, welches Sortiment dort angeboten wird und welche Kunden erreicht werden sollen.

Wie unterschiedlich Unternehmen auf diesen Wandel reagieren, zeigt die Entwicklung rund um Peek & Cloppenburg. Fashion Insider hat darüber berichtet, warum Zara Flächen von Peek & Cloppenburg übernehmen könnte. Der Vorgang verdeutlicht, dass eine Innenstadtlage für den einen Händler wirtschaftlich interessant sein kann, während ein anderer seine Präsenz dort überdenkt.

Für Familienunternehmen mit regionalem Filialnetz sind solche Entscheidungen besonders sensibel. Einzelne Geschäfte bestehen oft seit vielen Jahren und haben eine treue Stammkundschaft. Trotzdem muss jeder Standort wirtschaftlich tragfähig bleiben.

Bei Keller-Warth soll im Zuge des Insolvenzverfahrens auch das Filialnetz überprüft werden. Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, ist noch offen.

Hat der stationäre Modehandel noch eine Zukunft?

Die Insolvenz von Keller-Warth reiht sich in eine Entwicklung ein, die auch andere etablierte Unternehmen der deutschen Modebranche betrifft. Ein Beispiel ist Eterna. Fashion Insider berichtete über die Übernahme der Eterna-Markenrechte durch Olymp und damit über einen weiteren Einschnitt bei einer traditionsreichen deutschen Modemarke.

Solche Fälle zeigen wirtschaftlichen Veränderungsdruck, sind aber nicht ohne Weiteres vergleichbar. Ein Hersteller, der Kollektionen entwickelt und über verschiedene Vertriebskanäle verkauft, arbeitet unter anderen Bedingungen als ein regionales Modehaus mit eigenen Geschäften. Auch die Ursachen einzelner Insolvenzen unterscheiden sich.

Der stationäre Modehandel steht deshalb nicht pauschal vor dem Aus. Seine Rolle verändert sich jedoch. Wer Kunden weiterhin in ein Geschäft bringen möchte, muss einen Vorteil bieten, der über die bloße Verfügbarkeit von Kleidung hinausgeht.

Das kann ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment sein, eine besonders gute Beratung oder die Spezialisierung auf bestimmte Marken und Passformen. Wichtig ist, dass dieses Angebot zur Kaufkraft und zu den Bedürfnissen der jeweiligen Kundschaft passt. Eine lange Unternehmensgeschichte schafft Vertrauen, ersetzt aber keine überzeugende Positionierung.

Neue Ladenkonzepte – nicht jedes passt zu jedem Händler

Internationale Marken investieren in Geschäfte, die mehr sein sollen als reine Verkaufsflächen. Sie gestalten Bereiche für bestimmte Zielgruppen, verbinden digitale Services mit dem Ladenbesuch und versuchen, den Einkauf möglichst unkompliziert zu machen.

Ein Beispiel dafür ist der von Fashion Insider vorgestellte Zara Man Flagshipstore in Berlin. Solche Konzepte zeigen, dass große Modeunternehmen dem stationären Geschäft weiterhin einen Wert beimessen.

Für kleinere Händler sind aufwendige Flagshipstores allerdings selten ein realistisches Vorbild. Sie benötigen Lösungen, die zu ihren finanziellen Möglichkeiten passen. Manchmal kann eine klarere Sortimentsauswahl sinnvoller sein als eine kostspielige Neugestaltung der Verkaufsfläche. An anderer Stelle könnte eine bessere digitale Sichtbarkeit mehr bewirken.

Welche Maßnahmen erfolgreich sind, lässt sich nicht allein aus internationalen Beispielen ableiten. Entscheidend bleibt, ob sie neue Kunden gewinnen, bestehende Kunden binden und sich wirtschaftlich rechnen.

Wie es für Keller-Warth weitergeht

Für das Unternehmen aus Biberach steht nun zunächst die Sicherung des laufenden Geschäftsbetriebs im Mittelpunkt. Geschäftsführer Günter Warth hat den Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze als Ziel genannt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Winterhoff prüft die wirtschaftlichen Voraussetzungen und mögliche Sanierungswege.

Dabei dürften die einzelnen Standorte und die gewachsenen Strukturen genau betrachtet werden. Konkrete Entscheidungen über Filialschließungen oder Personalabbau lassen sich aus den bislang veröffentlichten Informationen jedoch nicht ableiten.

Für die knapp 90 Beschäftigten bleibt die Lage belastend. Auch die betroffenen Städte verfolgen das Verfahren mit Interesse, denn traditionsreiche Modehäuser gehören vielerorts seit Jahrzehnten zum gewachsenen Einkaufsangebot.

Nach 162 Jahren steht Keller-Warth damit vor einer entscheidenden Neuordnung. Ob die Marke WARTH an allen bisherigen Standorten weiterbestehen kann, ist offen. Fest steht bislang nur, dass die Geschäfte zunächst geöffnet bleiben und eine Fortführung geprüft wird.

Quellen:

Redaktionelle Einordnung: Die Analyse zu Online-Shopping, Rezessionsängsten und strukturellen Veränderungen im Modehandel beschreibt allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen. Sie stellt keine abschließende Untersuchung der individuellen Insolvenzursachen von Keller-Warth dar.

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