Vinted wächst rasant. Im Jahr 2025 setzte die Second-Hand-Plattform nach eigenen Angaben 1,1 Milliarden Euro um – 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gesamtwert der über Vinted gehandelten Waren stieg sogar auf 10,8 Milliarden Euro. Auch in Deutschland investiert das Unternehmen weiter in Wachstum, Bezahlung und Versand.
Doch mit der Größe der Plattform wächst offenbar auch der Frust vieler Nutzer. Verbraucherschützer warnen vor Betrugsmaschen auf Second-Hand-Portalen, während sich auf Bewertungsplattformen und in sozialen Netzwerken Beschwerden über blockierte Zahlungen, schwer erreichbaren Support und langwierige Streitfälle sammeln. Einzelne Erfahrungsberichte lassen sich von außen nicht vollständig überprüfen. Die wiederkehrenden Vorwürfe ähneln sich jedoch auffällig: Nutzer reichen Nachweise ein, erhalten Standardantworten und warten trotzdem wochenlang auf eine Entscheidung.
Genau in einer solchen Situation befinde ich mich gerade selbst.
Ich habe über Vinted ein Paar gebrauchte Vans für 11 Euro verkauft. Die Schuhe waren nicht neu, aber aus meiner Sicht noch vollkommen tragbar. Vor dem Versand fotografierte ich sie von mehreren Seiten und hielt auch Teile des Innenbereichs fest.
Am 22. Juni eröffnete die Käuferin einen Fall. Sie gab an, die Schuhe seien innen vollkommen kaputt angekommen. Seit diesem Tag blockiert Vinted meine Zahlung.

Dieses Foto reichte die Käuferin als Beleg für den beanstandeten Zustand des Schuhinneren ein.
Inzwischen wurde ich dreimal von der Plattform aufgefordert, zu handeln und Belege einzureichen. Dreimal habe ich meine Bilder hochgeladen. Trotzdem weiß ich bis heute nicht, ob meine Nachweise geprüft wurden, was noch fehlen soll oder wann überhaupt eine Entscheidung fällt.
Die 11 Euro sind nicht das eigentliche Problem. Mich erschüttert vielmehr, wie schnell man als Verkäuferin in eine Situation geraten kann, in der der Artikel weg ist, das Geld blockiert bleibt und der Support trotz mehrfacher Nachweise keine klare Antwort liefert. Genau dieses Gefühl, völlig in der Luft zu hängen, macht den Fall für mich so schwer nachvollziehbar.
Zwei Bildserien, zwei deutlich unterschiedliche Zustände
Die Käuferin dokumentierte einen stark beschädigten Innenbereich. Das von ihr eingereichte Foto zeigt Risse, abgelöste Beschichtung und größere Fehlstellen am hellen Innenmaterial.
Meine Bilder vor dem Versand zeigen dagegen gebrauchte Vans mit sichtbaren Gebrauchsspuren, aber keinen vergleichbaren großflächigen Schaden. Die Schuhe waren weder neu noch als neuwertig angeboten. Für 11 Euro verkaufte ich ein getragenes Paar, nicht makellose Neuware.
Ich kann nicht zweifelsfrei rekonstruieren, wann und wie der auf dem Käuferfoto sichtbare Zustand entstanden ist. Genau dafür sollte ein Streitverfahren da sein: Beide Seiten reichen ihre Unterlagen ein, die Plattform prüft sie und trifft eine begründete Entscheidung.
Bei meinem Fall fehlt bislang genau dieser letzte Schritt.
Vinted erklärt, dass Mitglieder bei Problemen über das Hilfe-Center, einen virtuellen Assistenten oder den Support Unterstützung erhalten können. Bei konkreten Bestellungen sollen die Angaben zum Fall direkt an die zuständige Stelle übermittelt und geprüft werden.
Seit dem 22. Juni ist meine Zahlung blockiert. Vinted hat mich inzwischen dreimal aufgefordert, Nachweise einzureichen. Jedes Mal habe ich reagiert und meine Fotos erneut hochgeladen. Trotzdem habe ich bislang weder eine nachvollziehbare Bewertung meiner Bilder noch eine konkrete Entscheidung erhalten.
Vinted fordert Belege – entscheidet aber nicht
Seit der Eröffnung des Falls werde ich von Vinted immer wieder zum Handeln aufgefordert. Ich habe jedes Mal innerhalb der geforderten Abläufe reagiert und dieselben Beweisbilder erneut eingereicht.
Danach herrscht wieder Stillstand.
Ich weiß bis heute nicht:
- ob meine Bilder tatsächlich geprüft wurden,
- warum sie nicht ausreichen,
- welche weiteren Nachweise Vinted benötigt,
- wann eine Entscheidung fällt,
- oder was mit den Schuhen und meinem Verkaufserlös geschieht.
Vinted selbst erklärt, Mitglieder könnten bei konkreten Problemen über einen virtuellen Assistenten oder einen Mitarbeiter Kontakt aufnehmen. Im Hilfe-Center werden unter anderem ausstehende Beträge, unterbrochene Bestellungen und Artikel behandelt, die deutlich anders als beschrieben sein sollen.
Auf dem Papier gibt es also einen geregelten Supportweg. In meinem konkreten Fall führt er bislang jedoch zu keiner erkennbaren Lösung.
Mein Fall steht offenbar nicht allein
Ein Blick auf aktuelle öffentliche Bewertungen zeigt, dass sich Beschwerden über langsame oder wenig nachvollziehbare Supportprozesse häufen. Vinted Deutschland erreicht bei Trustpilot derzeit nur etwa 2,4 von 5 Punkten bei rund 11.000 Bewertungen. Rund 59 Prozent der dort erfassten Bewertungen vergeben einen Stern. Solche Plattformbewertungen sind nicht repräsentativ für alle Nutzer und müssen vorsichtig eingeordnet werden – sie zeigen aber wiederkehrende Kritikpunkte.
Mehrere aktuelle Bewertungen beschreiben ähnliche Konstellationen:
- Verkäufer berichten, weder Ware noch Geld erhalten zu haben.
- Nutzer kritisieren wiederholte Standardantworten.
- Fälle sollen über Wochen offen geblieben sein.
- Einige Rezensenten berichten, dass sie trotz eingereichter Nachweise keine konkrete Begründung erhielten.
Natürlich lässt sich von außen nicht prüfen, ob jede einzelne Bewertung vollständig und korrekt ist. Mein eigener Fall zeigt für mich aber, warum solche Erfahrungen entstehen können: Solange alles reibungslos läuft, ist Vinted bequem. Sobald ein Streitfall eröffnet wird, hängt sehr viel davon ab, ob der Support Beweise zeitnah und transparent bewertet.
Käufer werden geschützt – aber wie sieht Verkäuferschutz aus?
Dass Vinted die Zahlung nach einer Reklamation zunächst zurückhält, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Ein Käuferschutz wäre wertlos, wenn das Geld trotz eines gemeldeten Problems sofort ausgezahlt würde.
Ein faires System muss aber auch Verkäufer schützen.
Ich habe den Artikel verschickt, die Schuhe sind nicht mehr bei mir und mein Geld ist blockiert. Damit trage ich aktuell das gesamte Risiko, während die Entscheidung bei Vinted liegt. Besonders problematisch ist für mich, dass ich mehrfach reagieren musste, aber keine individuelle Rückmeldung zum Inhalt meiner Nachweise erhalte.
Es geht dabei nicht um den Betrag von 11 Euro. Der finanzielle Schaden ist überschaubar. Es geht um das Prinzip: Eine Plattform kann nicht wiederholt Belege verlangen und Verkäufer danach ohne klaren Bearbeitungsstand in der Luft hängen lassen.
Was meine Bilder belegen – und was nicht
Für einen glaubwürdigen Erfahrungsbericht ist auch wichtig, die Grenzen der eigenen Beweise offenzulegen.
Meine Bilder zeigen:
- den äußeren Zustand der Vans,
- die Sohlen,
- die Zungen und Etiketten,
- mehrere Seitenansichten,
- sowie Teile des Innenbereichs.
Sie zeigen aus meiner Sicht keinen Schaden in dem Umfang, der später gemeldet wurde.
Sie dokumentieren allerdings nicht jeden Zentimeter des Innenfutters unmittelbar beim Einpacken. Ein durchgehendes Video vom Zustand und vom Verpackungsvorgang existiert ebenfalls nicht.
Damit kann ich nicht beweisen, dass zwischen meiner letzten Aufnahme und der Ankunft keinerlei Veränderung eingetreten ist. Genauso wenig beweist das einzelne Käuferfoto aus meiner Sicht automatisch, dass der Schaden bereits beim Versand vorhanden war.
Gerade deshalb braucht es eine nachvollziehbare Prüfung durch Vinted.

Nahaufnahme vor dem Versand: Zunge, Etikett und sichtbarer Innenbereich des Schuhs.
Was Verkäufer daraus lernen können
Nach dieser Erfahrung würde ich gebrauchte Schuhe unmittelbar vor dem Versand noch umfassender dokumentieren:
- beide Schuhe außen und innen,
- Fersenfutter und Einlegesohlen,
- Zungen, Etiketten und Nähte,
- sämtliche vorhandenen Gebrauchsspuren,
- den Artikel im geöffneten Paket,
- und das verschlossene Paket mit Versandetikett.
Bei höherpreisigen Artikeln kann zusätzlich ein kurzes, zusammenhängendes Video sinnvoll sein. Eine Garantie, dass Vinted diese Unterlagen im Streitfall zugunsten des Verkäufers bewertet, gibt es nicht. Sie erschweren aber zumindest die Behauptung, ein bereits sichtbarer Schaden sei verschwiegen worden.
Wie Käuferschutz, Bezahlung und Versand grundsätzlich funktionieren, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zu Vinted Deutschland.
Mein Fazit nach mehreren Wochen
Mein Fall ist weiterhin offen.
Seit dem 22. Juni ist meine Zahlung blockiert. Vinted hat mich dreimal zum Handeln aufgefordert, ich habe dreimal Bilder eingereicht. Eine konkrete Bewertung meiner Nachweise oder eine abschließende Entscheidung habe ich bislang nicht erhalten.
Ich behaupte nicht, beweisen zu können, wie der von der Käuferin fotografierte Schaden entstanden ist. Ich kann aber zeigen, dass meine Aufnahmen vor dem Versand aus meiner Sicht einen deutlich anderen Zustand dokumentieren.
Genau hier liegt mein größter Kritikpunkt: Vinted verspricht einen geregelten Prozess, lässt mich als Verkäuferin aber seit Wochen ohne klare Antwort zurück.
Der Beitrag sollte mit einem sichtbaren Update-Kasten enden:
Stand: 28. Juli 2026
Der Fall ist weiterhin offen. Sobald Vinted eine Entscheidung trifft oder sich der Status ändert, aktualisieren wir diesen Beitrag.

Ruxandra Schröder ist Geschäftsführerin und Chefredakteurin von Fashion Insider. Sie schreibt über Mode, Beauty, Trends und stilvolle Alltagslooks, die nicht nur in sozialen Netzwerken gut aussehen, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Besonders liebt sie unkomplizierte Styles, gut sitzendes Denim und Sneaker mit dem gewissen Etwas. In sozialen Netzwerken ist Ruxandra vielen auch als Sandra bekannt.




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