Unterwäsche in reichhaltiger Vielfalt

Dessous im Museum – das kann sehr reizvoll sein. Das sächsische Industriemuseum in Chemnitz hat sich daran gewagt, eine Schau vorzubereiten, die bis zum 7. Juli zu sehen ist. Dabei handelt es sich um seltene Exponate, nicht etwa lebendige Models, die mit Leihgaben des Ratinger LVR-Museums, anderer Museen und Schenkungen aus privater Hand auf einer Fläche von 600 m² arrangiert worden ist. Filme, Fotos und Werbung führen zusätzlich durch die Kulturgeschichte der weiblichen Unterwäsche in den vergangenen 150 Jahren. Im Vergleich wird deutlich, wie sehr sich die Ansichten im Laufe der Zeit verändert haben, von raschelnden Reifröcken als erotisches Signal bis zu hochmodernen Babydolls mit raffinierten Details ist es ein weiter Weg.

Zugeschnürtes kann ebenso reizvoll, wenn auch auf andere Weise sein wie Offenherziges, wer wissen will, wie sich die heutigen Nachfahren historischer Vorbilder auf der Haut anfühlen, der kann edle Corsagen bei Zugeschnürt kaufen. Selbstverständlich ist diese Auswahl nicht so verstaubt und mehr den modernen Gegebenheiten angepasst als die Ausstellungsstücke im Museum, die vor DDR-Unterwäsche nicht zurückschrecken, ein Exemplar des Spitzentüten-BHs aus den 1950er Jahren zur Ansicht und nicht zur Anprobe darbieten und den Wandel des Geschmacks und der Möglichkeiten im Verlauf von anderthalb Jahrhunderten dokumentieren.
Der Vorteil der modernen Zeit liegt ja gerade darin, dass wir uns verschiedene Epochen zunutze machen und darin nach Belieben eintauchen können. Das Tragen neuzeitlicher Korsagen vermittelt das Lebensgefühl damaliger Umstände und ist doch gleichzeitig ein Stück neuzeitlichen Lebens. Gerade im Bereich der Dessous kann der Wechsel recht reizvoll sein, anschaulicher und lebhafter als ein Besuch im Museum mit einem Blick auf den Wandel der Zeiten. Hier jedoch ist es einfacher, die Distanz zu wahren, Exponate sind immer nur beispielhaft und entrückt real.
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