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Coachella Festival 2016 – Meine Erfahrungen aus der kalifornischen Wüste

Es war definitiv das größte OMFG des noch jungen Jahres 2016 als ich beim Blick in den Kalender herausfand, daß meine Reise ins Headquarter von JustFab und Fabletics nach Los Angeles, genau über das erste Wochenende des legendären Coachella Festivals fällt. Allein die Vorstellung, daß ich einerseits auf diesem legendären Musik- und Kunstfestival abhängen und tatsächlich beim ersten öffentlichen Konzert zur Widerauferstehung von Guns N‘ Roses dabei sein könnte, war einfach gigantisch. Mit Appetite for Destruction, dem legendären Album von 1987, habe ich meine erste rebellische Teenie-Phase ausgelebt und spätestens als dann John Connor 1991 in Terminator 2 mit Guns N‘ Roses in den Ohren und einem Crossbike unterm Hintern die Welt rettete, war es um meine kleine Teenie-Seele geschehen. Um es kurz zu machen – ich musste zum Coachella.

Die erste Ernüchterung folgte aber relativ schnell bei einem Blick auf die Coachella-Website. Das ich hier keine Preise wie beim Neubrandenburger Chorfestival erwarten konnte (falls es das überhaupt gibt) war ja zu erwarten, aber auch mit Geld war nichts zu machen, obwohl die Latte mit 399$ für den günstigsten Dreitagepass schon recht sportlich angesetzt war.
Doch genialer Weise gibt es ja Stubhub, einen Marktplatz für Konzerttickets, der auch für Raritäten einen sicheren Standard beim Ticketkauf bietet und so beschleunigte sich mein Puls gleich noch mal ein bisschen, als ich dort tatsächlich bezahlbare Coachella-Tickets fand. Die Tickets konnte ich dann einfach mit meiner Kreditkarte zahlen und an mein Hotel in Los Angeles schicken lassen und so war auch der erste und wichtigste Punkt nach dem Einchecken im Hotel, die Frage nach der UPS-Sendung, die mir dann auch gleich ausgehändigt wurde. Und siehe da – in dem dezenten Polsterumschlag befand sich das Ticket zum Paradies oder besser gesagt eine Schachtel mit allerlei Infos zum Festival und dem Armband, mit dem man dann eingelassen wird.

Beim Coachella muss man sich vor dem Festivalbesuch online registrieren und dort das Armband aktivieren. Dabei wird dann das Armband mit den Besucherdaten verknüpft, so daß man dann beim Einlass mit einer einfachen Ausweiskontrolle auf das Gelände kommt und auch das zweite Armband für Alkoholausschank bekommt – nicht unwichtig wenn man nicht auf dem Trockenen sitzen möchte. Obwohl das Coachella ziemlich gigantisch ist, ist sowohl die Parkplatzsituation als auch der Einlass top organisiert, so daß ich maximal 20 Minuten vom Abstellen des Autos bis zum durchqueren der Einlasskontrollen brauchte.

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Das Festivalgelände ist relativ groß und bietet jede Menge klassische Open-Air-Bühnen, die großen für die fetten Headliner und kleinere für die heißen Newcomer. Dann gibt es aber auch Bühnen, die zeltartig überdacht sind und sogar richtige Clubs, wo man dann mit Spiegelkugel an der Decke, Strobo und Nebel zum Beispiel 2ManyDJs lauschen kann. Insgesamt ist dieses Setup ziemlich genial, weil man nicht die ganze Zeit in der brechenden Wüstensonne steht und auch mal das Setup vom großen Live-Areal zum gemützlichen, kleinen Elektro-Club ändern kann.

An dieser Stelle muss ich auch gleich mal die vielen anderen „Influencer“ dissen, die dort auf dem Festival arbeiten. Coachella ist nämlich eine derart derbe, musikalische Wunderkiste, die wirklich den heissesten Scheiß auffährt, den es gerade gibt oder der gerade im Kommen ist. Viele Künstler featuren bei ihren Auftritten nicht nur die local Heroes und Celebs aus L.A., sondern dort wird Musik zelebriert und sich gegenseitig inspiriert. Coachella rein als Fotohintergrund zu benutzen, um Schmuck, Jeans und wer sonst noch dafür bezahlt in die Kamera zu behalten, finde ich den Künstlern gegenüber respektlos. Natürlich beeinflussen sich Musik, Mode und Kunst gegenseitig und die Mode spielt beim Coachella eine große Rolle, aber der Einklang der verschiedenen Disziplinen muss stimmen.

Gerade bei den Mädels ist Coachella eine große Bühne, um gepflegte und fitte kalifornische Körper in sexy Hippie- oder Boho-Outfits zu zeigen und das macht auch Spaß. Selfies oder Outfitfotos gehören auch dazu und die Kreativität in Sachen Mode ist beim Coachella einfach gigantisch, auch wenn sich die meisten ziemlich arg in den „typischen Coachella-Style“ pressen lassen und daher eine gewisse Uniformität herrscht. Einen komischen Beigeschmack haben für mich aber die Leute, die nicht nur Selfie und Snaps schiessen, sondern mit Stylisten, Monster-Objektiv Fotografen, Security, Maske und Pipapo über das Festival pflügen, um dort zu arbeiten. Ich wollte mich ganz bewusst nicht unter Druck setzen lassen und einfach nur alles aufsaugen und geniessen und ich sag Euch eins – das ist der wahre Luxus. Hingehen und wirklich dasein und es fühlen und abgehen. Ich spare mir daher auch die Bilder von coolen Outfits, die Ihr dann bei Zalando, Levi´s, Seven Jeans und H&M nachkaufen könnt, um den Coachella-Style nachzustylen. Macht einfach. Oder noch besser, geht in den Second Hand Laden Eurer Stadt und stellt Euch selbst etwas aus vintage Mode zusammen oder fragt Eure Mütter, ob Sie nicht noch ein paar Klassiker haben, die man toll kombinieren kann.


Ich habe es mit meinem Look ziemlich schlicht gehalten und dafür diverse Brofists von Insidern bekommen, die ein gepflegtes Hood by Air-Shirt zu schätzen wissen. Überhaupt habe ich tolle Leute aus aller Welt kennengelernt von Locals aus Kalifornien, bis zu Spaniern, Neuseeländern und jede Menge Dopeheads, die dort einfach nur eine gute Zeit haben. Was toll am Coachella ist, ist daß sich die Leute zu benehmen wissen und obwohl ständig Graswolken in der Luft liegen und einige Leute auch im Paralleluniversum über den Rasen schweben, gibt es kaum Volltrunkene oder irgendwelche Honks, die einfach zuviel von Irgendwas hatten. Gut drauf sein, aber auch gut drauf bleiben scheint die Devise.

Doch kommen wir mal zu einigen musikalischen Highlights. Mein erster Knaller war der Auftritt von Run the Jewels, die nun langsam in Europa auch bekannter werden und denen ich aber schon länger folge und die die nächste Evolutionsstufe von HipHop zeigen. Das RTJ2 Album könnt Ihr Euch übrigens kostenlos bei den Jungs runterladen.


Danach ging es ins Do Lab, wo San Holo so dermaßen ablieferte, daß die Crew dort komplett ausflippte. Überhaupt hatte das Do Lab mit Mayor Lazer, DJ Koze und vielen mehr, daß beste an elektronischer Tanzmusik am Start, so daß ich eigenlich die ganze Zeit dort bleiben könnte. Für 8$ gab es dann erstmal einen Obstbecher mit Ananas, Mango und Weintrauben, heruntergespült mit einem 4$ Red Bull. Das Angebot an Essen und Getränken ist übrigens typisch kalifornisch und extrem vielfältig. Von Thai-Food über TexMex, Barbecue, Pizza, Veganes und Salate ist eigentlich alles dabei und auch noch halbwegs bezahlbar. Natürlich ist es teuer, aber nicht komplett unbezahlbar und wer es bis auf´s Coachella geschafft hat, verkraftet auch die Preise.

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Ich habe dann erstmal weiter das Gelände abgecheckt, um einen besseren Überblick über die verschiedenen Locations zu bekommen und habe mir auch die verschiedenen Kunstinstallationen mal genauer angesehen. Übrigens hat H&M für die Coachella-Kollektion einen eigenen Shop auf dem Festivalgelände aufgebaut. Hardcore!
Mittlerweilen war es dunkel geworden und die Leute vom Coachella hatten supercoole, überdimensionierte Stehlampen besorgt, die nun das Gelände beleuchteten.

Auf der Hauptbühne spielte dann Ice Cube, der natürlich jede Menge Support von anderen Rappern aus L.A. und der Westcoast am Start hatte und spätestens alle zum ausklinken brachte, als er als N.W.A. performte und natürlich Fuck the Police als ersten Track dabei hatte.

Zum Glück bin ich dann ins Espacio, einen der richtigen Clubs auf dem Gelände, und habe dort eine ziemlich private Secret Performance der 2manydj´s mitgenommen, die sonst nur im großen Sahara-Zelt gespielt hatten, wo es doch etwas unübersichtlicher zuging, wie man hier sehen kann:

Zum Runterkommen nach diesem erneuten Dance-Flash, bin ich dann erstmal zum Ferris Wheel, dem berühmten Le Grande Wheel Riesenrad auf dem Coachella Festival, daß übrigens nach dem London Eye und Le Grande Roue de Paris, die ja fest installiert sind, das größte mobile Riesenrad ist. Witziger Weise darf man nicht allein mit dem Riesenrad gefahren und so bildete ich ein Team mit Shawn, der sich gerade mit seiner Freundin gezofft hatte und sich freute, mir nun die ganze Story an die Backe binden zu dürfen, bevor er sich dann kurz vor dem Ende der Fahrt überlegte, daß er sie nun doch wieder liebt. Was Riesenräder alles so machen können…

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Im Riesenrad merkt man auch wieder wie groß das Festival doch ist, wenn man die verschiedenen Bühnen, Clubs und Locations sieht und das Meer aus Zelten auf dem Zeltplatz.

Der absolute Killer-Moment war dann natürlich, als endlich Guns N‘ Roses spielte und man merkte deutlich, daß viele nur wegen Axl, Slash und Co. gekommen waren – überhaupt war ein Guns N‘ Roses Band-T-Shirt ein sehr beliebtes Untensil an diesem Coachella-Tag und ich war froh, mich gegen diese Idee entschieden zu haben. Allerdings war es spannend die verschiedenen Shirts zu sehen, denn von alten, seltenen Tour-Shirts, bis zu nagelneuen Shirts oder Fashion-Shirts (…als mal irgendwas mit Rockband-Aufdruck modern war) gab es die volle Bandbreite zu sehen.

Leider wurde die Atmosphäre aber ein wenig getrübt, denn Axl Rose hatte sich offenbar am Bein verletzt und saß deswegen während der Show in einem Stuhl und gab zwar alles, um im sitzen abzurocken, aber irgendwie wünscht man sich ja schon, daß der Sänger einer Rockband über die Bühne flitzt. Außerdem war das Set auf 90 Minuten angesetzt und nach meinem persönlichen Geschmack haben Guns N‘ Roses einfach keine Hits für 90 Minuten und so folgten auf einen der großen Kracher immer zwei bis drei etwas laschere Songs. Auch den Generationenbruch im Publikum merkte man dann nach den ersten 30 Minuten deutlich. Denn die jüngeren Coachella-Besucher, die nicht mit Guns N‘ Roses aufgewachsen sind, war die Show und der Sound einfach zu lasch und konnte nicht mit den anderen Headlinern mithalten, die eher aus dem Jetzt stammen und keine 80iger-Legenden sind, wie GnR. Das Publikum dünnte sich daher im Laufe der Show etwas aus, aber dafür stieg aber die Konzentration an echten Fans.

Eine klare Ansage gab es dann auch auf die Gerüchte, ob Axl Rose nun AC/DC als Sänger auf der Tour begleiten würde. Angus Young, der Gitarrist von AC/DC kam auf die Bühne und gemeinsam wurde Whole Lotta Rosie performt – Ende der Gerüchte.

Bevor es dann ins Hotel ging, habe ich mich noch mit ein wenig Merch eingedeckt und habe auch noch den Plattenladen abgecheckt, den es auf dem Festivalgelände gibt, aber aus Sorge über den Transport von empfindlichem Vinyl nach Europa, habe ich mich doch entschieden T-Shirts und eine Original Coachella Picknickdecke zu adoptieren. Wenn Ihr also jemanden mit einer Coachella Decke in Berlin, Potsdam oder Umgebung seht, sagt doch kurz Hallo, falls Ihr noch was über Coachella wissen wollt.

Für mich ist klar, daß ich unbedingt wieder zum Coachella muss und mir noch mehr Zeit dafür nehmen muss, damit ich wirklich alle 3 Tage abrocken kann. Denn die Stimmmung, die Leute und an erster Stelle das musikalische Line-Up sind einfach einmalig. Und bitte kauft mir jetzt nicht die Tickets bei Stubhub weg im nächsten Jahr.

Und sorry, wenn ich keine Coachella Outfits zeige und mich auf die Musik und den Event in meinem Coahella Erfahrungsbericht konzentriere, aber das waren für mich die wichtigeren Eindrücke und für die Outfits schaut einfach hier.

Kommentare
Eine Antwort zu “Coachella Festival 2016 – Meine Erfahrungen aus der kalifornischen Wüste”
  1. Sigrid Braun sagt:

    Wow, dass ist wirklich ein super Bericht!
    Da wird man ja richtig neidisch. Das Coachella Festival würde ich auch gerne einmal erleben.
    Die Musik ist einfach der Hammer, danke für den Bericht.
    Liebe Grüße Sigrid

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