Galeria: War es das jetzt? Über 30 Kaufhäuser stehen auf der Kippe

Symbolbild einer Mitarbeiterin, die ein Closed-Schild ins Schaufenster hängt – Galeria-Insolvenz 2026
Die Zukunft zahlreicher Galeria-Warenhäuser ist ungewiss. Das Symbolbild verdeutlicht die Sorge vor weiteren Geschäftsschließungen.

Vier Insolvenzen in sechs Jahren, Tausende Beschäftigte in Sorge und mehr als 30 möglicherweise gefährdete Filialen: Die Warenhauskette Galeria kämpft erneut ums Überleben. Zwar ist das Insolvenzgeld inzwischen bewilligt und die Geschäfte bleiben vorerst geöffnet. Doch die entscheidende Frage ist längst nicht mehr nur, ob Galeria gerettet werden kann. Sondern auch, wie viel von der einstigen Kaufhauswelt in Deutschlands Innenstädten überhaupt noch übrig bleibt.

Wer heute durch eine Galeria-Filiale schlendert, erlebt vielerorts noch immer das vertraute Bild: Mode auf mehreren Etagen, Kosmetik im Erdgeschoss, Schuhe, Taschen und Haushaltswaren unter einem Dach. Doch hinter den Kulissen steht die Zukunft dieses Einkaufskonzepts erneut zur Diskussion.

Kleiderständer mit Damenhosen in einem Modegeschäft – Symbolbild zur Galeria-Insolvenz 2026

Große Verkaufsflächen gehören zum traditionellen Warenhausgeschäft. Die erneute Galeria-Insolvenz stellt die Zukunft zahlreicher Standorte infrage. (Symbolbild)

Galeria ist wieder insolvent – und diesmal könnte es besonders bitter werden

Am 2. Oktober 2026 stellte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf einen neuen Insolvenzantrag. Nur drei Tage später ordnete das Gericht das vorläufige Insolvenzverfahren an. Mit Frank Kebekus übernahm ein Mann die Verantwortung, der die schwierige Geschichte des Konzerns bereits kennt. Er begleitete schon die Verfahren der Jahre 2020 und 2022.

Es ist die vierte Insolvenz seit 2020. Eine bemerkenswerte Entwicklung für eine Warenhauskette, deren Wurzeln bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.

Aktuell betreibt Galeria noch 83 Warenhäuser in Deutschland. Bereits im Sommer waren 33 dieser Standorte auf den Prüfstand gekommen. Branchenberichten zufolge könnte ein erheblicher Teil davon geschlossen werden.

Eine endgültige Entscheidung darüber, welche Filialen tatsächlich verschwinden, gibt es allerdings noch nicht.

Insolvenzverwalter Kebekus machte Mitte Oktober im Gespräch mit dem ZDF deutlich, dass er nicht mit einem vollständigen Erhalt aller 83 Häuser rechnet. Jeder Standort müsse auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit untersucht werden.

Für die Beschäftigten bedeutet das vor allem Unsicherheit. Viele haben bereits mehrere Sanierungsrunden erlebt, auf Gehaltsbestandteile verzichtet und mitansehen müssen, wie Kollegen ihre Arbeitsplätze verloren.

Immerhin gibt es eine kurzfristige Entlastung: Die Bundesagentur für Arbeit hat Insolvenzgeld für zunächst 9.685 Beschäftigte der Warenhausgesellschaft bewilligt. Für weitere rund 1.600 Beschäftigte anderer Gesellschaften liefen gesonderte Verfahren. Die vorläufige Absicherung der Gehälter verschafft Galeria Zeit, löst aber keine strukturellen Probleme.

Warum Galeria immer wieder scheitert – das teure Geschäft hinter den Kaufhäusern

Warum reicht es bei Galeria trotz milliardenschwerer Forderungsverzichte, neuer Investoren und wiederholter Sanierungen nicht für einen dauerhaften Neustart? Ein Teil der Antwort liegt nicht in den Verkaufsregalen, sondern in den Immobilien, in denen sich die Warenhäuser befinden.

Über Jahrzehnte gehörten Kaufhausgebäude in besten Innenstadtlagen zu den begehrtesten Handelsimmobilien Deutschlands. Für Investoren waren vor allem die zentralen Grundstücke, langfristige Mietverträge und mögliche Wertsteigerungen interessant.

Für Karstadt und später Galeria entwickelte sich daraus allerdings eine kostspielige Abhängigkeit.

Bereits 2006 verkaufte der damalige Karstadt-Konzern rund 170 Immobilien für etwa 4,5 Milliarden Euro an ein Investorenkonsortium. Der Verkauf brachte zunächst Geld in die Kasse. Gleichzeitig musste das Unternehmen für zahlreiche zuvor eigene Standorte fortan Miete bezahlen.

Das Problem: Die Mietverpflichtungen blieben bestehen, während das klassische Warenhausgeschäft immer stärker unter Druck geriet.

Onlinehändler gewannen Marktanteile, spezialisierte Modeketten lockten Kunden mit attraktiveren Sortimenten und die Kosten für große Verkaufsflächen ließen sich nicht beliebig reduzieren.

René Benko und die milliardenschweren Immobiliengeschäfte

Eine weitere wichtige Rolle spielte der österreichische Unternehmer René Benko. Seine Signa-Gruppe kontrollierte zeitweise zahlreiche prestigeträchtige Handelsimmobilien, darunter auch Warenhausstandorte.

Doch mit steigenden Zinsen geriet das stark kreditfinanzierte Immobiliengeschäft zunehmend unter Druck. Die Finanzierung wurde teurer, Immobilienbewertungen mussten korrigiert werden und Ende 2023 brach das Firmenimperium zusammen.

Die Folgen trafen auch Galeria. Nach dem Zusammenbruch der damaligen Muttergesellschaft beantragte die Warenhauskette im Januar 2024 erneut Insolvenz.

Dass die Immobilienprobleme bis heute nachwirken, zeigt die aktuelle Entwicklung. Schon im Frühjahr 2026 beklagten mehrere Vermieter ausstehende Mietzahlungen. Im Juli stellte Galeria schließlich 33 Standorte auf den Prüfstand.

Die vierte Insolvenz ist deshalb nicht allein eine Folge veränderter Einkaufsgewohnheiten. Sie zeigt auch, wie schwierig die wirtschaftliche Situation eines Handelsunternehmens werden kann, wenn hohe Immobilienkosten auf sinkende Umsätze treffen.

Mehr als 30 Galeria-Filialen gefährdet: Was mit den Innenstädten passiert

Wenn ein Kaufhaus schließt, verschwindet nicht einfach nur ein Geschäft. Gerade in mittelgroßen Städten kann eine solche Entscheidung das gesamte Einkaufsviertel verändern.

Galeria-Filialen belegen häufig große, zentral gelegene Immobilien. Sie ziehen Besucher an, die anschließend auch in kleineren Boutiquen, Cafés oder benachbarten Geschäften einkaufen.

Fällt ein solcher Anziehungspunkt weg, lässt sich die entstandene Lücke nicht immer schnell schließen.

Besonders problematisch sind mehrgeschossige Warenhäuser. Während sich kleinere Ladenflächen häufig vergleichsweise flexibel neu vermieten lassen, benötigen große Gebäude aufwendige Konzepte und hohe Investitionen.

Aus einem ehemaligen Kaufhaus können zwar Büros, Wohnungen, Gastronomieflächen oder neue Einzelhandelsangebote entstehen. Doch solche Umbauten dauern und sind teuer.

Für den stationären Modehandel ist die Entwicklung deshalb besonders interessant.

Während Galeria um den Fortbestand vieler Standorte kämpft, investieren andere Modeunternehmen gezielt in neue Verkaufsflächen. Wie unterschiedlich die Strategien aussehen, zeigt beispielsweise die Diskussion um die mögliche Übernahme von Peek-&-Cloppenburg-Flächen durch Zara.

Große Modeflächen verschwinden also nicht grundsätzlich vom Markt. Allerdings verändern sich die Erwartungen daran, wie sie genutzt werden und was sie den Kunden bieten müssen.

Wie groß die finanziellen Folgen sein können, zeigt ein ehemaliges Galeria-Kaufhof-Gebäude in Hannover. Laut einem Bericht von FOCUS online wurde die Immobilie im September 2023 noch mit 171,4 Millionen Euro bewertet. Nur rund sechs Monate später lag ein Gutachten bei 124 Millionen Euro.

Ein Wertverlust von 47,4 Millionen Euro innerhalb eines halben Jahres.

Für Immobilieneigentümer ist das ein erhebliches Risiko. Wenn ein großer Mieter ausfällt, fehlen nicht nur Einnahmen. Auch eine neue Nutzung der Gebäude kann hohe Investitionen erfordern.

Welche Konsequenzen daraus für Städte entstehen können, zeigt Bremerhaven. Dort kaufte die Kommune bereits 2021 ein ehemaliges Karstadt-Gebäude für 15 Millionen Euro. Das Gebäude wird inzwischen zurückgebaut, das Grundstück soll neu entwickelt werden.

Allein der geplante Neubau wird mittlerweile auf rund 90 Millionen Euro geschätzt. Grundstückskauf und Rückbau kommen als finanzielle Belastungen hinzu.

Das Beispiel macht deutlich: Wenn ein Kaufhaus dauerhaft verschwindet, endet die Geschichte nicht mit der Schließung der Eingangstüren. Häufig beginnt dann erst die schwierige und teure Suche nach einer neuen Nutzung.

 

Was moderne Modegeschäfte anders machen als klassische Kaufhäuser

Die Krise von Galeria bedeutet nicht, dass Menschen grundsätzlich keine Lust mehr auf Shopping in der Innenstadt haben.

Vielmehr steigen die Ansprüche an das Einkaufserlebnis.

Wer Kleidung ausschließlich nach Preis oder Verfügbarkeit auswählt, findet online zahlreiche Alternativen. Ein stationäres Geschäft muss deshalb einen zusätzlichen Grund liefern, tatsächlich vorbeizukommen.

Dazu gehören attraktive Verkaufsräume, gut zusammengestellte Sortimente, kompetente Beratung und digitale Services.

Ein Beispiel für diesen Wandel ist der Zara Man Flagshipstore in Berlin. Dort setzt der Modekonzern auf ein deutlich fokussierteres Store-Konzept mit eigener Herrenmode-Welt, moderner Architektur und einer klaren Präsentation unterschiedlicher Kollektionen.

Galeria verfolgt dagegen traditionell einen breiteren Ansatz. Mode, Beauty, Wohnen und weitere Warengruppen konkurrieren innerhalb derselben Immobilie um Aufmerksamkeit und Verkaufsfläche.

Das muss kein Nachteil sein. Schließlich schätzen viele Menschen gerade die Möglichkeit, verschiedene Produkte bei einem einzigen Einkaufsbummel zu entdecken.

Entscheidend ist aber, ob daraus ein überzeugendes Gesamterlebnis entsteht.

Das Warenhaus braucht wieder ein eigenes Profil

Für Galeria könnte eine stärkere Konzentration auf ausgewählte Sortimente sinnvoll sein. Statt möglichst viele Produktgruppen auf möglichst großer Fläche anzubieten, könnten einzelne Standorte stärker auf ihre jeweiligen Kunden zugeschnitten werden.

In einer touristisch geprägten Innenstadt gelten andere Anforderungen als in einem Einkaufszentrum am Stadtrand.

Auch regionale Marken, besondere Modekollektionen oder attraktive Serviceangebote könnten helfen, ein unverwechselbares Profil aufzubauen.

Dass Kooperationen zwischen Warenhäusern und Modemarken funktionieren können, zeigte bereits die frühere Zusammenarbeit von Topshop und Karstadt.

Solche Konzepte können zusätzliche Besucher anziehen. Sie ersetzen allerdings kein tragfähiges wirtschaftliches Fundament.

Ebenso wichtig bleibt die Verbindung zwischen Online- und Offlinehandel. Kunden erwarten heute, Artikel online recherchieren, ihre Verfügbarkeit prüfen und Einkäufe möglichst unkompliziert zwischen verschiedenen Vertriebskanälen organisieren zu können.

Wie eng digitale Präsenz und stationärer Handel inzwischen miteinander verbunden sind, zeigt sich auch bei der Eröffnung moderner Fashion-Stores.

Für Galeria besteht die Herausforderung darin, solche Veränderungen umzusetzen, während gleichzeitig jeder Euro auf seine Verwendung geprüft werden muss.

Neue Investoren gesucht: Kann Galeria noch einmal gerettet werden?

Mitte Oktober begann offiziell die Suche nach einem oder mehreren neuen Investoren. Die Unternehmensberatung Roland Berger begleitet diesen Prozess.

Die derzeitigen Eigentümer sind die US-Investmentgesellschaft NRDC und eine Beteiligungsgesellschaft des Unternehmers Bernd Beetz. Sie hatten Galeria im Sommer 2024 übernommen.

Mit dem Eigentümerwechsel war damals die Hoffnung verbunden, die Warenhauskette nach Jahren der Unsicherheit dauerhaft zu stabilisieren.

Doch bereits im Frühjahr 2026 gerieten erneut Mietzahlungen in den Fokus. Im Sommer folgten Verhandlungen über zahlreiche Standorte, bevor Anfang Oktober der nächste Insolvenzantrag gestellt wurde.

Die Gewerkschaft ver.di kritisiert insbesondere die aus ihrer Sicht ausgebliebenen nachhaltigen Investitionen und fordert eine langfristige Perspektive für die Beschäftigten.

„Es braucht einen Eigentümer, der Verantwortung für Galeria und seine Beschäftigten übernimmt.“

– Silke Zimmer, ver.di-Bundesvorstand

Miteigentümer Bernd Beetz bewertet die Verantwortung anders. Gegenüber der Bild bezeichnete er die Insolvenz als grundsätzlich vermeidbar und kritisierte den aus seiner Sicht zu langsamen Umbau des Unternehmens.

Welche Darstellung sich durch die weitere Aufarbeitung bestätigt, bleibt abzuwarten.

Fest steht: Ein neuer Investor müsste nicht nur die kurzfristige Finanzierung gewährleisten. Er müsste auch eine überzeugende Antwort darauf finden, warum Menschen künftig wieder häufiger bei Galeria einkaufen sollten.

Die vier Insolvenzen von Galeria im Überblick

Jahr Entwicklung Folgen
2020 Erstes Insolvenzverfahren während der Corona-Krise Zahlreiche Filialschließungen
2022 Zweites Sanierungsverfahren Weitere Einschnitte und Standortaufgaben
2024 Dritte Insolvenz nach dem Zusammenbruch von Signa Neun der verbliebenen 92 Warenhäuser schließen
2026 Vierter Insolvenzantrag am 2. Oktober 83 Filialen bleiben vorerst geöffnet, weitere Schließungen möglich

Die wiederholten Sanierungen haben den Konzern erheblich verkleinert. Von den einst 174 Filialen im Jahr 2019 sind aktuell weniger als die Hälfte übrig.

Warum die Galeria-Krise auch für die Modebranche ein Warnsignal ist

Galeria gehört zu den bekanntesten Namen des deutschen Einzelhandels. Viele Menschen verbinden mit Karstadt und Kaufhof Erinnerungen an Weihnachtseinkäufe, die erste hochwertige Handtasche oder einen Einkaufsbummel mit der Familie.

Genau diese emotionale Verbindung unterscheidet traditionelle Kaufhäuser von vielen anonymen Onlineplattformen.

Doch Erinnerungen allein bezahlen keine Mieten und finanzieren keine neuen Kollektionen.

Der stationäre Modehandel steht grundsätzlich vor der Herausforderung, den Wert seiner Verkaufsflächen neu zu definieren. Die Digitalisierung der Modebranche hat längst verändert, wie Kunden Produkte entdecken, vergleichen und kaufen.

Für Warenhäuser könnte darin trotzdem eine Chance liegen.

Während digitale Angebote vor allem mit Auswahl und Bequemlichkeit punkten, können Geschäfte vor Ort persönliche Beratung, unmittelbare Produkterlebnisse und Inspiration bieten.

Ein gut geführtes Kaufhaus kann verschiedene Marken zusammenbringen, neue Trends zugänglich machen und Einkaufsmöglichkeiten für unterschiedliche Generationen schaffen.

Dafür braucht es allerdings mehr als gelegentliche Rabattaktionen und wechselnde Sanierungsprogramme.

Vor allem müssen die Kunden erkennen können, wofür das jeweilige Haus steht.

Insolvenzverwalter Frank Kebekus hält das Warenhaus als Einkaufsform weiterhin grundsätzlich für überlebensfähig. Auch ein vollständiges Ende von Galeria ist derzeit keineswegs beschlossen.

Ob der traditionsreiche Konzern tatsächlich noch einmal eine Zukunft bekommt, dürfte wesentlich davon abhängen, ob Investoren bereit sind, nicht nur in die Finanzierung, sondern auch in neue Konzepte, moderne Filialen und die Beschäftigten zu investieren.

Die vierte Galeria-Insolvenz wirft damit eine grundsätzliche Frage auf: Kann ein traditionsreiches Warenhausunternehmen überhaupt dauerhaft überleben, wenn sein Geschäftsmodell unter Druck steht und gleichzeitig hohe Immobilienkosten bewältigt werden müssen?

Eine weitere Sanierung könnte einzelne wirtschaftlich tragfähige Standorte retten. Ob dafür ein neues, kleineres Filialnetz entsteht oder sich Investoren für eine umfassendere Neuausrichtung finden, ist derzeit offen.

Für den deutschen Modehandel steht jedenfalls mehr auf dem Spiel als die Zukunft einer einzelnen Kaufhauskette. Galeria zeigt, wie eng stationärer Einzelhandel, Immobilienwirtschaft und die Entwicklung unserer Innenstädte miteinander verbunden sind.

Vielleicht ist die entscheidende Frage deshalb nicht mehr, wie oft Galeria noch gerettet werden kann. Sondern was sich grundlegend ändern muss, damit die nächste Rettung nicht wieder nur wenige Jahre hält.

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