Die ersten Herbstkollektionen hängen in den Läden, die Stiefel stehen bereit, der Mantel ist ausgesucht. Nur ein Accessoire übersteht den Saisonwechsel regelmäßig unbemerkt. Am Handgelenk sitzt noch dasselbe Silikonband wie im Juni, verblasst von Sonnencreme und Freibad, und es ist ausgerechnet das Teil, das bei jedem Kaffee sichtbar auf dem Tisch liegt. Das Handgelenk trägt noch Juni. Der Rest des Outfits ist schon im September.
Saisonwechsel läuft in der Mode über den Stoff
Mode erklärt ihre Jahreszeiten seit jeher über Material. Leinen geht, Wolle kommt, die Sandale räumt das Feld für den Boot. Genau nach dieser Logik verdient das meistgetragene Accessoire überhaupt einen zweiten Blick, denn eine Smartwatch sitzt sechzehn Stunden am Tag am Arm und zeigt sich öfter als jeder Schuh, bei jedem Händedruck, an jeder Kaffeetasse. Selbst Apple folgt hier dem Modekalender und bringt seine Bandfarben im Rhythmus der Saisons heraus, jedes Frühjahr und jeden Herbst neu, mit Hermès als festem Partner im Programm. Der Wechsel kostet dabei keine neue Uhr. Ein Armband für die Apple Watch aus einem anderen Material reicht, und das Handgelenk ist in der neuen Saison angekommen. Das Gehäuse bleibt einfach das alte.
Cognac, Gewebe und kaltes Metall übernehmen jetzt
Was der Herbst am Arm bedeutet, lässt sich anfassen. Leder in Cognac oder Schokolade nimmt die Farben der Saison auf und entwickelt mit den Wochen eine eigene Patina, wie ein guter Gürtel. Anders als Silikon erzählt Leder dabei mit, wo es gewesen ist, und die etwas helleren Stellen am Verschluss gehören nach ein paar Wochen einfach dazu. Gewebte Bänder greifen die Struktur von Strick und Tweed auf. Und für den Abend legt sich Milanaise-Metall kühl um die Haut, ein Gefühl, das im Hochsommer unangenehm wäre und ab Oktober nach Garderobe statt nach Gerät aussieht. Der Einwand liegt nahe, dass Silikon nun einmal praktisch ist. Stimmt, beim Sport bleibt es die richtige Wahl. Aber zum Herbstdinner trägt auch niemand Laufschuhe, und für das Handgelenk gilt dieselbe Regel.
Ein Jahrzehnt an Bändern bleibt im Spiel
Der Wechsel lohnt sich auch deshalb, weil die Sammlung nicht veraltet. Ende 2023 machten Leaks die Runde, das nächste Modell werde sämtliche alten Bänder unbrauchbar machen. Apple entschied sich für das Gegenteil und rundete das neue Gehäuse so ab, dass die vorhandenen Bänder weiter passen, in zwei Größenklassen, die bis zu den ersten Modellen zurückreichen. Die kleine Klasse reicht von 38 bis 42 Millimeter, die große von 44 bis 49, quer durch die Generationen. Ein Band von vor Jahren klickt heute noch an das aktuelle Gehäuse, ganz gleich, wie viele Nachfolger inzwischen erschienen sind. Dazu kam die Apple Watch 10 bei ihrem Start als flachste Apple Watch überhaupt auf den Markt, und je flacher die Uhr, desto mehr trägt das Band die Optik. Wer heute Armbänder zur Apple Watch 10 aussucht, kauft darum nicht für ein Gerät, sondern für die Jahre danach gleich mit.
Der Saisonwechsel am Arm dauert am Ende dreißig Sekunden. Das ausgeblichene Silikon zieht mit den Sommerkleidern in die Kiste, das Leder kommt zusammen mit dem Mantel heraus. Beim ersten Herbstkaffee liegt dann ein Handgelenk auf dem Tisch, das dieselbe Saison trägt wie der Rest.

Ruxandra Schröder ist Geschäftsführerin und Chefredakteurin von Fashion Insider. Sie schreibt über Mode, Beauty, Trends und stilvolle Alltagslooks, die nicht nur in sozialen Netzwerken gut aussehen, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Besonders liebt sie unkomplizierte Styles, gut sitzendes Denim und Sneaker mit dem gewissen Etwas. In sozialen Netzwerken ist Ruxandra vielen auch als Sandra bekannt.



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