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Pflanzliches Retinol und Co.: Welche Anti-Aging-Wirkstoffe kommen ohne Tierisches aus?

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Ohne tierische Inhaltsstoffe kommen einige der am besten untersuchten Anti-Aging-Wirkstoffe aus: allen voran Bakuchiol, das oft als pflanzliches Retinol bezeichnet wird, dazu Pflanzenöle wie Arganöl oder Sanddornfruchtfleischöl und tierfreie Wirkstoffe wie Niacinamid. Keiner davon dreht die Zeit zurück. Sie können reife Haut aber gut pflegen, und für einige gibt es dazu sogar Studien.

Gleichzeitig stecken in klassischer Anti-Aging-Pflege erstaunlich oft tierische Rohstoffe, vom Wollfett bis zum Kollagen. Laut Ernährungsreport 2025 des Bundesernährungsministeriums ernähren sich zwar nur zwei Prozent der Menschen in Deutschland vegan, doch die Frage, was in der Creme steckt, stellen sich längst nicht nur Veganerinnen und Veganer. Hier erfahrt Ihr, woran Ihr tierische Inhaltsstoffe erkennt und welche pflanzlichen Alternativen was können.

Woran Ihr tierische Inhaltsstoffe in der INCI-Liste erkennt

Wer eine Anti-Aging Creme ohne Tierisches sucht, kommt um die Zutatenliste nicht herum, denn tierische Rohstoffe verstecken sich hinter lateinischen INCI-Namen. Diese begegnen Euch in reichhaltiger Pflege besonders häufig:

INCI-Name Was dahintersteckt
Lanolin Wollfett aus dem Talg von Schafen
Cera Alba (Beeswax) Bienenwachs
Mel Honig
CI 75470 Karmin, roter Farbstoff aus Cochenille-Schildläusen
Collagen Kollagen, meist aus Fisch- oder Schweinehaut
Squalene kann aus Haifischleber stammen, kommt aber auch in Olivenöl vor

 

Bei Hyaluronsäure lohnt ein zweiter Blick: Früher wurde sie aus Hahnenkämmen gewonnen, heute wird sie überwiegend durch mikrobielle Fermentation hergestellt. Im Zweifel hilft eine kurze Nachfrage beim Hersteller.

„Vegan“ ist kein geschütztes Wort

Für Kosmetik gibt es keine gesetzliche Definition von „vegan“. Orientierung geben freiwillige Siegel wie die Veganblume der Vegan Society, die seit 1990 vergeben wird, oder das V-Label. Wer vegane Naturkosmetik ohne Siegel kauft, verlässt sich auf die Angaben des Herstellers und sollte sie deshalb im Detail nachlesen können. Die 2004 in Chemnitz gegründete Beti Lue. Salbenmanufaktur, die Seifen, Cremes und Öle in Handarbeit herstellt, kennzeichnet vegane Produkte im Shop zum Beispiel einzeln und nennt bei ihrer Anti-Aging-Pflege die wenigen Rezepturen mit Bienenwachs oder Kollagen offen; in den Läden in Chemnitz und Leipzig lassen sich die Cremes vorher als Tester ausprobieren.

Gut zu wissen: Vegan und tierversuchsfrei sind zwei verschiedene Dinge. Tierversuche für Kosmetik und der Verkauf von an Tieren getesteter Kosmetik sind in der EU seit 2013 vollständig verboten, das regelt die Kosmetikverordnung. „Vegan“ sagt dagegen etwas über die Inhaltsstoffe.

Bakuchiol: Was das pflanzliche Retinol kann

Bakuchiol ist ein Pflanzenstoff, der in den vergangenen Jahren vor allem als sanftere Alternative zu Retinol bekannt geworden ist. Eine Studie im British Journal of Dermatology (2019) hat beide direkt verglichen: 44 Teilnehmende trugen zwölf Wochen lang entweder 0,5 Prozent Bakuchiol zweimal täglich oder 0,5 Prozent Retinol einmal täglich auf. Beide Gruppen hatten danach signifikant weniger Faltenfläche und Pigmentflecken, ein Unterschied zwischen den Wirkstoffen war statistisch nicht messbar. In der Retinol-Gruppe berichteten aber mehr Teilnehmende von Schuppung und Brennen.

Die British Association of Dermatologists ordnete das Ergebnis zurückhaltend ein. Sprecherin Nina Goad: „Wir sprechen von subtilen Veränderungen der Haut – leider kann keine Creme die Uhr bei der Hautalterung nennenswert zurückdrehen.“ (übersetzt) Für größere Aussagen fehlen bislang größere Studien.

Pflanzenöle für reife Haut: Argan, Sanddorn, Hagebutte

Arganöl ist eines der wenigen Pflanzenöle mit einer klinischen Studie zur Hautalterung. In einer Untersuchung mit 60 Frauen nach der Menopause verbesserte sich die Elastizität der Haut nach 60 Tagen messbar, wenn Arganöl aufgetragen wurde (Clinical Interventions in Aging, 2015). Gemessen wurde allerdings am Unterarm, nicht im Gesicht.

Sanddornfruchtfleischöl fällt durch seine orange Farbe auf. Sie stammt von Carotinoiden, außerdem enthält das Öl einen ungewöhnlich hohen Anteil an Palmitoleinsäure, einer Omega-7-Fettsäure: Eine Übersichtsarbeit nennt 30 bis 35 Prozent. Kosmetisch wird es gern für trockene und reife Haut eingesetzt, eine klinische Anti-Aging-Studie gibt es dazu bisher nicht.

Bei Hagebuttenkernöl lohnt Skepsis gegenüber einem verbreiteten Versprechen: Es soll natürliche Retinsäure enthalten. In einer Analyse handelsüblichen Öls an der North-West University (2016) war jedoch keine nachweisbar. Das Öl kann trockene Haut trotzdem geschmeidig halten, ein Retinol-Ersatz ist es nicht.

Tierfrei, aber nicht pflanzlich: Niacinamid und Vitamin E

Nicht jeder vegane Wirkstoff stammt aus der Pflanze. Niacinamid, eine Form von Vitamin B3, wird in der Regel synthetisch hergestellt und ist damit tierfrei. In einer Studie mit 50 Frauen zeigte eine Creme mit fünf Prozent Niacinamid nach zwölf Wochen weniger feine Linien, weniger Pigmentflecken und eine bessere Elastizität als die wirkstofffreie Vergleichscreme (Dermatologic Surgery, 2005). Vitamin E (Tocopherol) gilt als Antioxidans, das freie Radikale abfangen kann. Kontrollierte klinische Studien dazu sind allerdings rar, wie Dermatologen in einer Übersichtsarbeit selbst anmerken.

Und das Squalen aus der Tabelle oben? Es ist ein natürlicher Bestandteil der Hautoberflächenfette und kann in Pflege als Weichmacher wirken. Haifischleber ist zwar die reichste Quelle, pflanzlich steckt Squalen aber auch in Oliven-, Amaranth- oder Reiskleieöl (Molecules, 2009). Steht „Squalane“ oder „Squalene“ auf einer veganen Creme, lohnt also die Frage nach der Herkunft.

Was Ihr realistisch erwarten könnt

Die Studien zu Bakuchiol und Niacinamid liefen zwölf Wochen, die zu Arganöl gut zwei Monate. Wer eine neue Pflege beurteilen will, sollte ihr also mindestens so viel Zeit geben. Und: Die Effekte sind messbar, aber fein. Eine gute pflanzliche Pflege hält reife Haut geschmeidig und gepflegt, und genau das ist ein realistisches Ziel.

Häufig gestellte Fragen

Ist Bakuchiol wirklich ein pflanzliches Retinol?

Nein, chemisch ist Bakuchiol kein Retinol. Den Beinamen trägt es, weil es in einer Vergleichsstudie ähnliche Ergebnisse bei Falten und Pigmentflecken zeigte und dabei besser vertragen wurde.

Ist Hyaluronsäure vegan?

Meistens ja. Heute wird Hyaluronsäure überwiegend fermentativ hergestellt. Früher stammte sie aus Hahnenkämmen, im Zweifel gibt der Hersteller Auskunft.

Sind vegane Cremes automatisch tierversuchsfrei?

In der EU ist jede Kosmetik seit 2013 ohne Tierversuche, das schreibt die Kosmetikverordnung vor. „Vegan“ bezieht sich auf die Inhaltsstoffe, nicht auf die Tests.

Woran erkenne ich vegane Anti-Aging-Pflege ohne Siegel?

An der INCI-Liste: Fehlen Lanolin, Cera Alba, Mel, CI 75470 und Collagen, ist das ein gutes Zeichen. Bei Squalene und Hyaluronsäure fragt Ihr am besten nach der Herkunft.

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