Winke Katze

Hallo Panasonic, wir sind hier!

Das die jüngere Generation von Käufern, wahrscheinlich besser über Social Media- und Online-Marketingkonzepte abzuholen ist, als mit traditionellen Print-, Plakat- oder TV-Kampagnen, muss man in den großen Werbeagenturen wohl keinem mehr erklären, denn selbst wenn bei großen Kampagnen der Schwerpunkt in der klassischen Werbung liegt, wird diese oft digital begleitet.

So können wir uns in der Bloggerszene über ein gesteigertes Interesse der Industrie und PR-Wirtschaft an Bloggerkooperationen freuen, die es uns widerum ermöglichen einen größeren Teil unseres Einkommens mit dem Bloggen zu verdienen oder für die Blogger-Oberliga sogar eine volle berufliche Konzentration auf das Bloggen und damit auch das Erreichen einer weiteren Qualitätsstufe. Denn wenn man vom Bloggen leben kann, erlaubt es eine noch tiefere Hingabe und zeitliche Investition in Recherchen, Shootings und die Aufbereitung der Materialien.

Neben redaktionellen Kooperationen, bei denen Blogger Produkte in sogenannten Advertorials oder OOTD Fotos vorstellen oder sich als Redakteure bei anderen Medien oder Projekten beteiligen, wie z.B. Corporate Blogs, werden Blogger auch als Testimonials in Kampagnen eingesetzt.

So haben wir bereits Anna FrOst als Teil einer Mobilfunkkampagne sehen können, Sarah Seidel designte gerade eine Kollektion für Passigatti und Horstson steuerte Hamburg-Tipps für die Louis Vuitton App Amble bei. Für erfolgreiche Kooperationen mit Fashionbloggern in Deutschland gibt es noch viele weitere Beispiele, die belegen: Yes, we can!

Um so mehr bin ich enttäuscht, wenn sich Unternehmen für Kampagnen in Deutschland zwar für Blogger als Testimonials entscheiden, aber dafür auf einen Blogger außerhalb Deutschlands zurückgreifen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Kampagne von Panasonic, bei der Testimonials für Wärmepumpentrockner werben. So wurde zum einen ein deutscher Koch, und zwar Patrick Gebhardt, für die Kampagne verpflichtet und zum anderen die italienische Bloggerin Veronica Ferraro.

Nun geht es mir hier nicht um Futterneid, denn ich gönne beiden den Auftrag, sondern es geht um die deutsche Bloggerszene, vor allem die der Fashionblogger und um verpasste Chancen. Zum einen die verpasste Chance für Panasonic und deren Agentur. Wenn also durch die Auswahl einer Fashionbloggerin als Testimonial, (ich spekuliere mal) Relevanz bei einer „jungen, an Mode und Blogs interessierten“ Zielgruppe erzeugt werden soll, warum dann eine italienische Bloggerin? Zum einen wäre doch die Glaubwürdigkeit einer deutschen Bloggerin viel höher, weil diese wahrscheinlich auch viel mehr deutschsprachige Leserinnen hat, als Veronica Ferraro. Zum anderen verpasst ihr dadurch die Chance auf den Verstärkereffekt durch andere Blogs.

Gerade große Kooperationen bekannter Bloggerpersönlichkeiten, ziehen oftmals eine weitere Berichterstattung in anderen relevanten Modeblogs nach sich, wie man auch an den oben genannten Beispielen nachrecherchieren kann. Vielleicht stoßen wir das jetzt ungewollt durch diesen Artikel an, aber die positiven Vibrations, die Ihr für die Panasonic Wärmepumpentrockner erzeugen wollt, kommen da möglicher Weise nicht so richtig rüber. Und wenn Ihr Euch eine Blogkampagne über Glam, Fem oder Vice einkauft, ist das eben auch etwas anderes als ein redaktioneller Artikel des Blogautors. In dem ihr deutsche Blogger übergeht, wird sich auch nichts daran ändern, daß ihr überteuerte Reichweiten im TV oder über Display Ads etc. einkaufen müsst, denn wachsen können wir nur zusammen.

Es tut mir leid, wenn ich jetzt Patrick Gebhardt etwas auf die Füße treten muss, aber mir war er jetzt nicht unbedingt so ein Begriff wie ein Tim Mälzer oder die anderen TV-Köche, deren TV-Präsenz man ja kaum ausweichen kann. Und Google spuckt für Patrick Gebhardt dann Refenzen, wie die Teilnahme an der Telekom Campus Cooking Tour und dem Alpro Soya TV aus.

Wenn ihr es also geschafft habt, den Patrick zu finden und für die Kampagne zu gewinnen, warum hat das nicht für eine deutsche Modebloggerin funktioniert? Natürlich muss jeder Blogger selbst entscheiden, ob ein Wärmepumpentrockner wirklich das Produkt ist, für das man werben möchte, aber unseren Recherchen zu folge wurde keine bekannte, deutsche Modebloggerin auch nur angefragt. Bitte erklärt uns doch einfach was wir machen sollen, damit ihr endlich merkt:

Wir sind hier! Wir sind bereit!

…und dieser Artikel ist keine Bewerbung für den nächsten Testimonial-Auftrag und auch Panasonic gilt hier nur stellvertretend für viele andere Marken. Es gibt professionelle Agenturen und Blognetzwerke wie MUSE NET und CLLCT die Euch helfen können und jede Menge Einzelkämpfer die z.B. bei eBuzzing aufgelistet sind. Redet einfach mal mit denen – dann kaufen wir auch Eure Wärmepumpentrockner.

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Kommentare
7 Antworten zu “Hallo Panasonic, wir sind hier!”
  1. Summer Lee sagt:

    toll geschrieben – unterschreibe ich voll und ganz.
    LG Summer

  2. Lidia sagt:

    Die Unternehmen sind in Deutschland anderen Ländern noch immer hinterher in dieser Hinsicht. Wie lange kann man bitte brauchen, um sich auf seine Zielgruppe und neue Kanäle einzustellen? Das sind nicht unbedingt nur die Agenturen. Man muss solche Ideen beim Kunden erstmal durchsetzen. Und da in der Führungsebene nicht unbedingt Personen sitzen, die sich mit solchen Themen auseinandersetzen, kommen viele Kooperationen erst gar nicht zustande. Ich gebe dir vollkommen Recht, dass Panasonic sich damit keinen Gefallen getan hat. Die Kampagne ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Sie springen auf den Blogger-Zug auf und da hört der zeitgemäße Ansatz auch schon auf… Ich wette – wie du auch schon schreibst-, die Menschen, die diese Kampagne durchgezogen haben, haben sich vorher nicht wirklich mit der deutschen Bloggerwelt beschäftigt, sondern nur grob den Trend erfasst. Ist mir persönlich sehr unsympathisch und das kann ja nun wirklich nicht sein, was diese Kampagne bezwecken sollte. Dumm gelaufen.

    • Daniel sagt:

      Das ist richtig. Hier ist ja aber bei Panasonic die Entscheidung für ein Blogger-Testimonial gefallen. Was mich wundert ist, warum ein deutscher Koch und eine italienische Bloggerin gewählt wurde. Wenn es möglich war, einen deutschen Koch zu finden, warum klappte das nicht mit einer deutschen Modebloggerin? Ich hätte das Konzept noch nachvollziehen können, wenn es ein französischer Koch gewesen wäre. Dann hätte man sich darauf berufen können, daß Frankreich eben stärker für feine Küche und kochen assozieiert wird als Deutschland und das Italien auch etwas mehr für Mode steht, als Deutschland. Hier ist es aber scheinbar so, daß ein deutscher Koch „passt“ – eine deutsche Modebloggerin aber nicht, oder man war nicht in der Lage eine deutsche Modebloggerin zu finden und überzeugen – wobei laut unserer Recherchen ja keine der großen deutschen Fashionbloggerinnen für die Kampagne angesprochen wurde. Ich würde gern verstehen, warum und was wir als Blogger tun können oder müssen, um in Zukunft die erste Wahl zu sein.

  3. Freizeitcafe sagt:

    Sehr gut, dass Du das mal auf den Punkt bringst. Ich verstehe es auch nicht, wie ein deutsches Unternehmen (auch wenn es mittlerweile in der Slowakei produziert) &
    Auszug aus Wikipedia: „Die Fabrikanlage befindet sich in Pfaffenhofen an der Ilm, Bayern. Zudem befindet sich in Neumünster die Softwareentwicklung und in Langen (Offenbach) das zugehörige Management der Panasonic Automotive Systems Europe GmbH“- genau so verfährt!

    Hierzulande wäre gute deutsche Blogger zu haben gewesen. Nun denn…bis das bloggen in Deutschland anerkannter wird, geht wohl noch so einige Zeit ins Land. Ich habe dazu auch schon des öfteren Artikel verfasst & über diverse PR-Kanäle zur Besserung aufgerufen. Aufs Bloggen! & danke für den starken Artikel! LG Chris aus Bochum vom Freizeitcafe

  4. Freizeitcafe sagt:

    Hallo Ihr lieben, ich habe Euch einmal hier zitiert: Zeit, dass sich was dreht: Der Fortschritt des deutschen Bloggens im Jahre 2013 in einer Bestandsaufnahme http://www.freizeitcafe.info/zeit-dass-sich-was-dreht-der-fortschritt-des-deutschen-bloggens-im-jahre-2013-in-einer-bestandsaufnahme/#more-10795

  5. Peter Demel sagt:

    Schöner Beitrag. Habe echt mit Freude gelesen. Danke.

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