FASHION

Seide in Bewegung – Neue Kollektion von Melisande Spenger

Eine Frau in einem eleganten, hellblauen Seidengeschirr sitzt auf einer Treppe.

Als wir zuletzt mit Melisande über ihre Arbeit gesprochen haben, ging es viel um Seide, um Handwerk und um eine klare Vorstellung davon, wie Mode entstehen kann. Die neue Kollektion von ihr knüpft genau daran an – nur wird es diesmal sichtbarer.

Seide steht weiterhin im Zentrum. Diesmal geht es weniger um das Material an sich, sondern darum, was im Stoff passiert. Wie er sich verändert, sobald Gewicht ins Spiel kommt. Wie kleine Details beginnen, den Fall zu bestimmen.

Im Mittelpunkt stehen gezielte Eingriffe in den Stoff: Perlen und Quasten, die bewusst gesetzt werden. Sie sind keine dekorativen Ergänzungen, sondern bestimmen, wie sich die Seide verhält. An diesen Punkten verändert sich der Fall, entsteht Tiefe, verschiebt sich die Bewegung.

„Meine Inspiration hinter dieser Kollektion waren die kleinen Details in Form von Perlen und Quasten, die die Ankerpunkte im Stoff bilden. D.h. die Kleider orientieren sich vom Fall und der Tiefe an den Ankerpunkten der Details.“

Grünes Seidenkleid im Schlosspark – fließende Bewegung der Seide

Fließende Seide im Schlosspark.

Seide als formbares Material

Seide reagiert direkt auf Gewicht. Genau das wird in der Kollektion genutzt. Wird der Stoff an bestimmten Stellen beschwert, verändert sich sein Verlauf. Er zieht sich, gibt nach, fällt anders. Die Form entsteht nicht durch den Schnitt, sondern durch das, was im Material passiert.

„Meine Idee dazu wäre darüber zu schreiben, dass Seide wahnsinnig formbar ist und sie sich daran orientiert, wo man spezifisch Gewicht anbringt.“

Beim blauen Abendkleid zeigt sich das besonders deutlich. Der Rücken ist durch zahlreiche feine Perlenstickereien beschwert. Daraus entsteht ein fließender Übergang nach unten, der sich fast wie von selbst entwickelt.

„Zum Beispiel bei dem blauen Abendkleid ist hinten der Rücken beschwert durch viele kleine Perlenstickerinnen. Deswegen kommt dieser schöne Fall zu Stande in dem Wasserfall.“

Der Effekt wirkt nicht konstruiert. Er ergibt sich aus der Platzierung der Details.

Rückenansicht eines Seidenkleides – fließender Fall der Seide

Seide in der Rückansicht.

Bewegung, Wasser und Farbwelt

Wasser taucht in der Kollektion immer wieder auf – nicht als Motiv, sondern als Bewegung. Stoffe sammeln sich, verlaufen, lösen sich wieder. Linien bleiben nicht fest, sondern verändern sich mit dem Material.

„Insgesamt ist immer für mich Wasser, eine große Inspiration. Wie bei dem blauen Kleid, ein kleines Wasser Auffangbecken hinten im Rücken, oder die Tropfen an dem grünen Kleid vorne an dem Saum.“

Auch die Farbwelt folgt dieser Richtung. Kühle Töne, fließende Übergänge und eine gewisse Tiefe greifen das Thema auf, ohne es auszuerzählen.

„Auch die Farbwelt orientiert sich viel daran.“

Roséfarbenes Seidenkleid im Schlosspark – fließender Stoff und Bewegung

Seide im Schlosspark.

Zwischen Atelier und Natur

Das Shooting im Schlosspark wirkt folgerichtig. Die Umgebung verstärkt das, was im Material bereits angelegt ist, ohne es zu überlagern. Licht, Bewegung und Stoff stehen nebeneinander.

„Das Shooting ist deshalb auch im Schlosspark, in der Natur entstanden.“

Die Kollektion bleibt damit nah an ihrem Ausgangspunkt. Entscheidend ist nicht der Entwurf allein, sondern der Umgang mit dem Material. Form entsteht dort, wo in die Seide eingegriffen wird – durch Gewicht, durch Platzierung, durch kleine Verschiebungen im Stoff.

Seidenkleid in Bewegung im Schlosspark – fließender Fall der Seide

Seide in Bewegung im Schlosspark.

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