„Zigaretten sind wie Frauen. Die besten sind dünn und reich.“ So warb im Jahr 1972 die Zigarettenmarke Silva Thins für ihre Produkte und sprach damit hauptsächlich die männlichen Raucher an.
Dabei waren rauchende Frauen in den 70er-Jahren längst keine Seltenheit mehr. Denn bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen die Zigaretten, die Damenwelt zu erobern.
Die rauchende Frau – selbstbewusst, unangepasst, erotisch
„Ich rauche Zigaretten und glaube nicht an Gott.“ Mit diesem Satz sorgte die deutsche Schriftstellerin Louisa Aston im 19. Jahrhundert für einiges Aufsehen. Denn dass Frauen zur Zigarette griffen, war damals eine arge Provokation für die Männerwelt.
Dieses Bild änderte sich erst mit der industriellen Herstellung der Tabakprodukte. Nun wurden sie zur Massenware, die nicht länger den Männern vorbehalten blieb.
Gleichzeitig entwickelten sich Kinobesuche zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung. Ein Trend, den die Zigarettenindustrie für sich zu nutzen wusste. Pfeife, Zigarre und Zigarette eroberten die Leinwand.
Insbesondere Zigaretten wurden dabei als erotisches Stilmittel eingesetzt – meist zwischen den Fingern oder Lippen einer attraktiven Frau.
Denn rauchende Frauen galten ab den 1930er-Jahren als selbstbewusst, geheimnisvoll und begehrenswert. Nicht zuletzt, weil Leinwanddiven wie Marlene Dietrich, Rita Hayworth und Greta Garbo dieses Bild prägten.
Wann kamen die ersten Zigaretten für Frauen auf den Markt?
Dass sich Frauen als ein neuer Absatzmarkt für Tabakwarenprodukten eigneten, erkannten einige Marken deutlich schneller als andere. So erklären die Tabak-und Rauchwarenexperten von Tabakguru, dass der Tabakunternehmer Philip Morris Marlboro im Jahr 1924 ursprünglich als besonders milde Frauenzigarette auf den Markt brachte. Damals jedoch noch unter dem Namen „Marlborough“.
Als das Magazin Reader´s Digest zu Beginn der 1950er-Jahre erstmals Studien veröffentlichte, die das Rauchen mit Lungenkrebs in Verbindung brachten, reagierte Morris darauf nicht nur mit der Produktion von Filterzigaretten. Er führte auch den amerikanisierten Markennamen „Marlboro“ ein, der später mit dem berühmten Marlboro-Cowboy in Verbindung gebracht wurde.
Wie sprach die Zigarettenindustrie gezielt Frauen an?
Um den Zigarettenabsatz in der Damenwelt zu steigern, wurden nicht nur gezielt Zigarettenmarken für Frauen erfunden. Auch bereits bestehende Produkte – etwa aromatisierte Zigaretten – bekamen zu Marketingzwecken ein neues Image.
Laut Carsten Klügl, Mitbegründer von Tabakguru, hat nach der Ernte getrockneter Tabak, der direkt zu Zigarettentabak verarbeitet wird, kaum Aroma. Erst durch Fermentierung oder Aromatisierung wird er zu Rauchtabak.
Bei der Aromatisierung wird der Rohtabak mit einem Sud, der verschiedene Aromen enthält, angefeuchtet. Früher, in den 1920er-Jahren, dagegen wurden ihm Mentholkristalle zugegeben. Dieses Verfahren ließ sich der US-Amerikaner Lloyd „Spud“ Hughes 1924 sogar patentieren.
Ursprünglich wurden die Menthol-Zigaretten erfunden, um dem Tabakrauch die Schärfe zu nehmen und so das beim Rauchen entstehende Kratzen im Hals zu mindern. Ab den 1950er-Jahren wurden sie als milde Alternative zur klassischen Zigarette gezielt an Frauen vermarktet.
FAQ
Wie viele Frauen rauchen heutzutage noch in Deutschland?
Laut Angaben des Statistischen Bundesamts griffen im Jahr 2025 rund 15,8 Prozent der Frauen über 15 Jahren zumindest gelegentlich zur Zigarette.
Welche Tabakprodukte konsumieren Frauen am häufigsten?
97 Prozent der deutschen Frauen rauchen laut Umfragen bevorzugt klassische Zigaretten oder E-Zigaretten.
Ist Rauchen für Frauen schädlicher als für Männer?
Tatsächlich ist der Tabak- und Nikotinkonsum für Frauen mit einem höheren Risiko verbunden als für Männer. So zeigt die Forschung, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken, für Raucherinnen gegenüber Rauchern bis zu 25 Prozent erhöht ist.
Grigorij Kosba ist Geschäftsführer, strategischer Leiter und Autor bei Fashion Insider. Er beschäftigt sich besonders mit der Schnittstelle zwischen Stil, Technik und aktivem Lifestyle. In seinen ausgewählten Beiträgen stellt er Produkte, Innovationen und Ideen vor, die modernes Design mit praktischem Nutzen verbinden und den Alltag ein Stück besser machen können.
