Mode aus Dating-Profilen, Kollektionen aus dem Gefängnis und Laufstegshows, die eher an Kunstperformances erinnern: Das FASHIONCLASH Festival 2026 zeigt vom 13. bis 15. November in Maastricht, wie ungewöhnlich die Zukunft der Mode aussehen kann. Mehr als 100 Nachwuchstalente aus über 25 Ländern präsentieren bei der 18. Ausgabe ihre Arbeiten – von experimentellen Designs über Fashion-Filme bis zu öffentlichen Modenschauen. Besonders spannend für Besucher: Ein Teil des Programms ist kostenlos.
Wer bei einem Modefestival vor allem an Models auf dem Laufsteg denkt, wird hier überrascht. FASHIONCLASH verbindet Kleidung mit Kunst, Tanz, Film und gesellschaftlichen Fragen. Im Mittelpunkt stehen junge Kreative, die traditionelle Vorstellungen von Schönheit, Identität und Design bewusst hinterfragen.

Experimentelle Mode und Performancekunst von Mare Langen. Foto: Pieter Stommel / FASHIONCLASH.
FASHIONCLASH Festival 2026: Eine Bühne für außergewöhnliche Mode
Drei Tage lang verwandelt sich Maastricht in einen internationalen Treffpunkt für experimentelle Mode. Ausstellungen, Performances, Fashion-Filme, Workshops und Gespräche verteilen sich auf Kulturorte in der gesamten Stadt.
Anders als bei klassischen Fashion Weeks stehen nicht etablierte Luxusmarken und ihre kommenden Kollektionen im Mittelpunkt. FASHIONCLASH setzt auf Nachwuchstalente, ungewöhnliche Ideen und die Verbindung verschiedener Kunstformen.
Damit reiht sich das Festival in eine Entwicklung ein, bei der die Förderung junger Modedesigner zunehmend über klassische Laufstegpräsentationen hinausgeht. Neue Kollektionen dienen nicht nur dazu, Trends zu setzen, sondern werden zu einem Medium für persönliche Geschichten und gesellschaftliche Auseinandersetzungen.
Das Festival bietet den Teilnehmern außerdem konkrete Entwicklungsmöglichkeiten. Eine internationale Jury vergibt einen Förderpreis von 2.500 Euro. Hinzu kommt der FASHIONCLASH Festival 2026 TIM Award, ein Entwicklungspreis im Wert von bis zu 1.500 Euro ohne Mehrwertsteuer, der unter anderem fachliche Unterstützung und Zugang zu speziellen Textilmaschinen ermöglicht.
Wenn Dating-Profile, Erinnerungen und Gefängnismauern zu Mode werden
Zu den ungewöhnlichsten Programmpunkten gehört die Ausstellung New Fashion Narratives – Fleshy, slimy, wobbly im Bureau Europa.
Das kuratorische Konzept stammt von Jamal Nxedlana, Karmen Samson, Welmoed Bosch und Agatha Prieto Jeanty. Gezeigt werden Arbeiten, die sich bewusst zwischen Kleidung, Skulptur und Performance bewegen.
Besonders drei Projekte verdeutlichen, wie unterschiedlich die neue Designergeneration an Mode herangeht.
Justin Jacob verwandelt Dating-Profile in Kleidung
Mit seinem Projekt FLESH AS CURRENCY beschäftigt sich Justin Jacob mit der Darstellung menschlicher Körper im digitalen Raum.
Der Designer übersetzt anonyme Grindr-Profile in experimentelle, posthumane Kleidungsstücke. Damit untersucht er, wie Körper auf digitalen Plattformen zu Bildern, Daten und einer Art Währung werden.
Seine Arbeit stellt Fragen nach Sichtbarkeit, Intimität und der zunehmenden Kommerzialisierung körperlicher Identität.
Aurore Montagner entwirft Mode mit inhaftierten Frauen
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt Aurore Montagner. Ihre Kollektion Les Belles Entravées entstand gemeinsam mit inhaftierten Frauen im Gefängnis von Rennes.
Die Beteiligten entwickelten Vorstellungen eines imaginären Kleiderschranks, der persönliche Wünsche nach Freiheit und Entkommen aufgreift.
Das Ergebnis ist mehr als eine gewöhnliche Modekollektion. Kleidung wird zum Ausdruck von Sehnsucht, Selbstbestimmung und den Grenzen persönlicher Freiheit.

„Girls Gone Guilty“ – eine stilisierte Polizeifoto-Szene aus dem Fashion-Film-Programm des FASHIONCLASH Festival 2026. Bild: Polina Kulbachevskaia.
Ping Chen hinterfragt traditionelle Männlichkeit
Designer Ping Chen verbindet in seinem Projekt Thing in Itself klassische Schneiderkunst mit modularen und wendbaren Konstruktionen.
Inspiriert von Erinnerungen an seinen Urgroßvater beschäftigt er sich mit traditionellen Vorstellungen von Männlichkeit. Im Mittelpunkt stehen Fürsorge, familiäre Beziehungen und alltägliche Tätigkeiten.
Auch andere Arbeiten der Ausstellung zeigen überraschende Perspektiven: Hillz studio verarbeitet ausrangierte Arbeitskleidung, während Johannes Hartmann Wiener Straßenpapierkörbe in ungewöhnliche Schaufensterfiguren verwandelt.
Die Ausstellung ist vom 13. bis 15. November 2026 geöffnet. Der reguläre Eintritt kostet laut Bureau Europa 7,50 Euro. Für ein Gespräch mit Designerin Marga Weimans einschließlich Führung am 14. November wird ein separates Ticket für 12,50 Euro angeboten.
The CLASH House: Wenn die Modenschau zur Performance wird
Am Samstag, dem 14. November 2026, steht mit The CLASH House einer der Höhepunkte des Festivals auf dem Programm.
In der Peutzhal auf dem ENCI-Gelände präsentieren zehn ausgewählte Designer ihre Kollektionen nicht in Form gewöhnlicher Laufstegshows, sondern als eigenständige Performances.
Die Teilnehmer haben dafür ein Entwicklungsprogramm mit Coaching und kreativen Workshops durchlaufen. Ziel ist es, die Geschichte hinter einer Kollektion durch Bewegung, Inszenierung und künstlerische Ausdrucksformen sichtbar zu machen.
Mit dabei sind unter anderem Nouka Rous, Paco Teepe, Isa Hazelager, Anna Strengers, Emma Magermans, Larissa de Jager und Soojeong Lee.
Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Modenschau und Theater. Kleidung ist nicht länger nur das Objekt der Präsentation, sondern wird selbst Teil einer Inszenierung.

CLASHLAB verbindet Mode, Musik und Performance zu einer experimentellen Inszenierung. Foto: Widdershoven.
CLASHLAB verbindet Mode, Tanz und Musik
Wie interdisziplinär diese Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt das Projekt CLASHLAB.
Modedesigner Teun Seuren, Choreografin Daniëlle Huyghe und Musiker Nader Adabnejad entwickeln während einer zweiwöchigen Residency eine gemeinsame Kurzperformance.
Anders als bei einer klassischen Modenschau stehen Musik und Tanz nicht lediglich im Dienst der Kleidung. Alle drei Disziplinen beeinflussen den kreativen Prozess von Beginn an.
Welche Form die Performance letztendlich annimmt, entsteht erst während dieser Zusammenarbeit.
Für das Publikum bietet sich dadurch die Möglichkeit, Mode aus einer ungewohnten Perspektive zu erleben.
44 Fashion-Filme und eine kostenlose Modenschau
Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Kino wird das FASHIONCLASH Festival 2026 ungewöhnliche Geschichten erzählen.
Das Fashion Film Program im Lumière Cinema umfasst insgesamt 44 internationale Kurzfilme. Die Auswahl reicht von Dokumentationen über experimentelle Produktionen bis zu digitalen Modewelten.
Am Freitagabend werden sechs Finalisten präsentiert. Eine internationale Jury vergibt den Fashion Film Award sowie den Kaltblut Magazine Award.
Darüber hinaus feiern zwei von FASHIONCLASH produzierte Filme ihre Premiere: TRAMPANTOJO und THE INVINCIBLE.
Bereits am Donnerstag, dem 12. November, zeigt das Lumière Cinema ergänzend die Dokumentation The Designer Is Dead über den Modedesigner Miguel Adrover.

Filmische Modeinszenierung aus „A Writer’s Block“ von Luigi Dalena, Teil des Fashion Film Program beim FASHIONCLASH Festival 2026. Bild: Luigi Dalena.
Kostenlose Fashion Show in der Sphinx Passage
Wer experimentelle Mode ohne Eintrittskarte erleben möchte, sollte sich die öffentliche Modenschau am Freitag, dem 13. November, vormerken.
In der Sphinx Passage präsentieren junge Designer ihre Arbeiten. Als besondere Gäste sind Teigetje & Woelrat angekündigt.
Das Designstudio verbindet auffällige Strickmaterialien, Leder, kontrastreiche Muster und eine spielerische Ästhetik, die Elemente des Karnevals aufgreift.
Die kostenlose Show gehört zum Eröffnungsprogramm im Sphinxkwartier, das mit der Ausstellung im Bureau Europa und dem Fashion Film Program beginnt.
Anschließend wird im The Social Hub Maastricht gefeiert.
Class of 2026: Die nächste Generation der Modebranche
Einen besonders direkten Einblick in die internationale Nachwuchsszene bietet die Class of 2026 im The Social Hub Maastricht.
Gezeigt werden Arbeiten von Absolventen aus sieben verschiedenen Mode- und Designakademien. Zu den angekündigten Talenten gehören unter anderem Anne Prins, Arthur Wagenaar, Casper Naafs, Nia Millano, Kaat van Spaendonck und ROZE GOUD.
Ihre Entwürfe beschäftigen sich mit kulturellen Erinnerungen, persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Fragen. Manche greifen traditionelle Handwerkstechniken auf, andere experimentieren mit Materialien oder ungewöhnlichen Silhouetten.
Interessant ist dabei insbesondere die Frage, wie junge Designer bestehende Ressourcen nutzen und neu interpretieren.
Denn Upcycling in der Mode beschränkt sich längst nicht mehr darauf, aus alten Kleidungsstücken etwas Tragbares herzustellen. Gerade im experimentellen Design werden ausrangierte Materialien zum Ausgangspunkt neuer künstlerischer Konzepte.
Ein Gespräch rund um den Kantamanto Social Club greift diese Themen auf und beschäftigt sich mit Wiederverwertung und den Auswirkungen der Textilproduktion.
Fashion Makes Sense: Gemeinsam Mode gestalten
Mit dem Programm Fashion Makes Sense geht FASHIONCLASH noch einen Schritt weiter.
Im Centre Céramique werden Projekte gezeigt, bei denen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe gemeinsam kreativ werden.
Ein Beispiel ist TexTiles. Hunderte Menschen gestalten textile Elemente, die später zu einem großen gemeinschaftlichen Kunstwerk zusammengefügt werden.
Die Arbeit entstand im Zusammenhang mit dem Maastricht-Jahr 2026 und greift sowohl den Vertrag von Maastricht als auch persönliche Geschichten und Beziehungen innerhalb der Stadt auf.
Daneben gibt es Workshops, bei denen Besucher selbst mit Materialien und Gestaltungstechniken experimentieren können.
Die Ausstellung läuft bereits seit dem 3. November und ist noch bis zum 22. November 2026 zu sehen.
Solche Projekte verdeutlichen, wie eng soziale Teilhabe, kreative Wiederverwendung und nachhaltige Modekonzepte miteinander verbunden sein können.
Hashim Nasr: Surreale Bilder für das FASHIONCLASH Festival 2026
Auch die diesjährige Festivalkampagne fällt aus dem Rahmen klassischer Modewerbung.
Verantwortlich für die Bildwelt ist der sudanesische Künstler und Fotograf Hashim Nasr, der in Alexandria in Ägypten lebt.
Seine surrealistischen Fotografien verbinden afrikanische und nahöstliche kulturelle Traditionen mit symbolischen Objekten, außergewöhnlicher Kleidung und sorgfältig komponierten Landschaften.
Auf einem Kampagnenmotiv erscheint eine verhüllte Figur in einem dunklen Gewand vor einer kargen Landschaft. Ein anderes zeigt eine weiß gekleidete Person, deren Kopf durch eine farbenfrohe skulpturale Konstruktion verdeckt wird.
Nasr beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit unter anderem mit Erinnerung, Vertreibung, Exil und Identität.
Diese Themen spiegeln sich auch in der Festivalkampagne wider. Kulturelle Traditionen werden nicht einfach dokumentiert, sondern in neue, teilweise traumartige Bildwelten übertragen.
Damit vermittelt die visuelle Gestaltung bereits einen Eindruck davon, worum es bei FASHIONCLASH geht: Mode als künstlerisches Ausdrucksmittel, das weit über Kleidung und saisonale Trends hinausreicht.
Weitere Highlights: Kunst, Inklusion und ungewöhnliche Ausstellungen
Neben den großen Veranstaltungen gibt es in Maastricht zahlreiche kleinere Präsentationen.
In der Jan van Eyck Academie verbindet das Projekt Amarte x FASHIONCLASH Mode mit Poesie, klassischer Musik und Performancekunst.
Die Theatermacherin Mira Verhoeve präsentiert beispielsweise eine Vorschau ihres Projekts Change the Guards, das sich mit persönlichen Erfahrungen und patriarchalisch geprägten Traditionen auseinandersetzt.
Auch das Thema Inklusion erhält Raum. Designer Ruben Jurriën beschäftigt sich im Townhouse Design Hotel mit Fragen rund um Kleidergrößen und gesellschaftliche Vorstellungen von Körpern.
Am Samstag, dem 14. November, ist dazu von 15 bis 16 Uhr ein Designer Talk angekündigt.
Weitere Ausstellungen und Präsentationen finden unter anderem in der Galerie Post + García, bei Limestone Books und im Bonnefantenmuseum statt.
Viele dieser Programmpunkte sind kostenlos zugänglich.
FASHIONCLASH Festival 2026: Termine, Tickets und Veranstaltungsorte
Wer das Festival besuchen möchte, sollte das Programm vorab planen. Die Veranstaltungen verteilen sich auf mehrere Orte in Maastricht und finden teilweise parallel statt.
Die wichtigsten Informationen im Überblick:
| Information | Details |
|---|---|
| Veranstaltung | FASHIONCLASH Festival 2026 |
| Termin | 13. bis 15. November 2026 |
| Ort | Maastricht, Niederlande |
| Ausgabe | 18. Festivaledition |
| Teilnehmer | Mehr als 100 Talente aus über 25 Ländern |
| Programm | Fashion Shows, Performances, Ausstellungen, Filme, Workshops und Talks |
| Eintritt | Teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig |
| New Fashion Narratives | Regulär 7,50 Euro |
| Website | fashionclash.nl |
Zu den wichtigsten Veranstaltungsorten gehören Bureau Europa, Lumière Cinema, die Peutzhal auf dem ENCI-Gelände, The Social Hub, Centre Céramique und die Jan van Eyck Academie.
Für Besucher, die zum ersten Mal nach Maastricht kommen, bietet sich die kostenlose Modenschau in der Sphinx Passage als Einstieg an. Wer sich intensiver mit experimentellen Designansätzen beschäftigen möchte, dürfte insbesondere bei New Fashion Narratives und The CLASH House auf seine Kosten kommen.
Tickets und aktuelle Informationen zu Veranstaltungszeiten stellt der Veranstalter auf der offiziellen Website des FASHIONCLASH Festivals bereit.
Fazit: FASHIONCLASH zeigt Mode abseits des Mainstreams
Das FASHIONCLASH Festival 2026 macht deutlich, wie vielseitig junge Designer mit Kleidung und gesellschaftlichen Themen umgehen.
Die Arbeiten von Justin Jacob, Aurore Montagner und Ping Chen zeigen, dass Mode persönliche Geschichten erzählen, digitale Entwicklungen hinterfragen und neue Perspektiven auf Identität eröffnen kann.
Besonders reizvoll ist die Kombination aus experimenteller Kunst und öffentlich zugänglichen Veranstaltungen. Mit kostenlosen Modenschauen, internationalen Fashion-Filmen und ungewöhnlichen Performances bietet Maastricht vom 13. bis 15. November einen Einblick in eine Modeszene, die bewusst neue Wege geht.
Für Modeinteressierte, Kunstliebhaber und alle, die außergewöhnliche Designideen entdecken möchten, lohnt sich deshalb ein Blick auf das Festivalprogramm.

Ruxandra Schröder ist Geschäftsführerin und Chefredakteurin von Fashion Insider. Sie schreibt über Mode, Beauty, Trends und stilvolle Alltagslooks, die nicht nur in sozialen Netzwerken gut aussehen, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Besonders liebt sie unkomplizierte Styles, gut sitzendes Denim und Sneaker mit dem gewissen Etwas. In sozialen Netzwerken ist Ruxandra vielen auch als Sandra bekannt.






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