Zwei Duschgele, doppelt saubere Haut? Genau diese Beauty-Routine sorgt derzeit für Aufmerksamkeit: Beim Double Cleansing unter der Dusche wird der Körper direkt hintereinander mit zwei verschiedenen Reinigungsprodukten gewaschen. Was besonders gründlich klingt, kann für eure Haut allerdings schnell zu viel werden.
Vor allem trockene, empfindliche oder zu Ekzemen neigende Haut kann durch häufiges Reinigen und ungeeignete Produkte gereizt werden. Denn das besonders saubere Hautgefühl nach zweimaligem Einseifen entsteht vor allem durch Tenside – und mehr davon bedeutet nicht automatisch bessere Hautpflege.

Zweimaliges Einseifen soll besonders gründlich reinigen – empfindliche Haut kann durch zu häufige Reinigung jedoch zusätzlich belastet werden.
Was bedeutet Double Cleansing unter der Dusche?
Beim klassischen Double Cleansing im Gesicht werden meist zwei unterschiedliche Reinigungsarten kombiniert. Ein ölbasierter Reiniger löst beispielsweise Make-up und Sonnenschutz, anschließend entfernt ein zweites Produkt verbliebene Rückstände.
Der aktuelle Trend überträgt dieses Prinzip auf den ganzen Körper. Beim Duschen kommen zwei Reinigungsprodukte direkt hintereinander zum Einsatz.
Im ersten Schritt wird häufig ein mildes oder pH-hautneutrales Waschprodukt verwendet. Es soll Schweiß, Talg und Verschmutzungen lösen. Anschließend folgt ein zweites, oftmals stärker parfümiertes Duschgel, das vor allem für ein intensiveres und länger anhaltendes Duftgefühl sorgen soll.
Das klingt zunächst logisch: Zweimal reinigen müsste schließlich sauberer sein als einmal.
Für die normale Körperhygiene gibt es jedoch keinen allgemeinen Grund, die gesamte Haut bei jeder Dusche zweimal einzuseifen. Ein geeignetes Reinigungsprodukt kann Schweiß, Talg und alltägliche Verschmutzungen bereits in einem Waschgang entfernen.
Verantwortlich dafür sind vor allem Tenside. Sie helfen dabei, fettige und wasserunlösliche Rückstände von der Haut zu lösen, sodass sie anschließend mit Wasser abgespült werden können.
Mehr Tenside bedeuten deshalb aber nicht automatisch mehr Sauberkeit.
Wer auch seine Gesichtspflege möglichst unkompliziert und hautschonend gestalten möchte, findet bei Fashion Insider ergänzend eine einfache Hautpflegeroutine für den Alltag.
Warum zweimaliges Einseifen die Hautbarriere belasten kann
Unsere Haut ist keine Oberfläche, die möglichst vollständig entfettet werden sollte.
Die äußerste Schicht der Epidermis, das sogenannte Stratum corneum, bildet einen wichtigen Teil der Hautbarriere. Vereinfacht gesagt besteht sie aus Hornzellen und dazwischenliegenden Lipiden. Diese Schutzschicht hilft dabei, Feuchtigkeit in der Haut zu halten und äußere Reize abzuwehren.
Tenside sollen Fett und Verschmutzungen lösen. Dabei können sie jedoch auch mit Bestandteilen der Hornschicht interagieren und unter anderem Hautlipide sowie Bestandteile natürlicher Feuchthaltefaktoren entfernen.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vom jeweiligen Produkt ab. Ein mild formulierter Reiniger ist deshalb nicht mit einer aggressiven Seife gleichzusetzen.
Wer allerdings zweimal direkt hintereinander reinigt, erhöht den Kontakt der Haut mit Reinigungsprodukten. Bei gesunder Haut muss das nicht sofort sichtbare Probleme verursachen. Einen allgemeinen Hautpflege-Vorteil bietet die doppelte Ganzkörperreinigung jedoch ebenfalls nicht.
Besonders bei trockener oder empfindlicher Haut ist weniger häufig mehr.
Mögliche Anzeichen einer belasteten Hautbarriere sind Trockenheit, Spannungsgefühl, Rötungen oder Juckreiz. Wie schnell zu viele Produkte gerade bei empfindlicher Haut kontraproduktiv werden können, spielt auch bei den aktuellen Micro-Beauty-Routinen und Beauty-Snacking eine Rolle.

Nach dem Duschen kann eine passende Pflege dabei helfen, Feuchtigkeit in der Haut zu halten.
Double Cleansing und Ekzeme: Was empfindliche Haut beachten sollte
Wichtig ist die richtige Einordnung: Double Cleansing verursacht nicht automatisch ein Ekzem.
Ekzeme können unterschiedliche Ursachen und Auslöser haben. Bei Menschen mit atopischer Dermatitis, Neurodermitis oder ohnehin empfindlicher Haut können ungeeignete Reinigungsprodukte die Haut jedoch zusätzlich reizen und bestehende Beschwerden verschlimmern.
Besonders relevant ist dabei der zweite Schritt des Trends.
Wird nach einem milden Reiniger bewusst ein stark duftendes Duschgel verwendet, kann das für sensible Haut kontraproduktiv sein. Duft ist schließlich kein Zeichen dafür, dass die Haut hygienischer oder sauberer geworden ist.
Die American Academy of Dermatology empfiehlt Menschen mit atopischer Dermatitis unter anderem parfumfreie Hautpflegeprodukte. Duftstoffe können bei empfindlichen Personen Hautreaktionen beziehungsweise Schübe begünstigen.
Auch beim Begriff „parfumfrei“ lohnt sich ein genauer Blick. Im Englischen wird beispielsweise zwischen „fragrance-free“ und „unscented“ unterschieden. Ein Produkt ohne deutlich wahrnehmbaren Geruch muss nicht zwangsläufig frei von Duftstoffen sein, da Inhaltsstoffe enthalten sein können, die andere Gerüche lediglich überdecken.
Wer nach dem Duschen regelmäßig unter starkem Juckreiz, entzündeten Stellen, nässenden Bereichen oder länger anhaltenden Hautveränderungen leidet, sollte deshalb nicht einfach immer neue Pflegeprodukte ausprobieren. Solche Beschwerden gehören dermatologisch abgeklärt.
So sieht eine hautfreundlichere Duschroutine aus
Die Alternative zum Double Cleansing ist deutlich unkomplizierter: Reinigt eure Haut so viel wie nötig und so sanft wie möglich.
Bei trockener Haut empfiehlt die American Academy of Dermatology kurze Duschen von ungefähr fünf bis zehn Minuten mit warmem beziehungsweise lauwarmem Wasser. Sehr heißes Wasser und lange Duschzeiten können die Haut zusätzlich austrocknen.
Auch der gesamte Körper muss nicht zwangsläufig bei jeder Dusche intensiv eingeschäumt werden.
Bei trockener oder zu Ekzemen neigender Haut reicht es häufig aus, sich besonders auf sichtbar verschmutzte oder ölige Bereiche sowie Körperstellen zu konzentrieren, an denen Körpergeruch entsteht.
Statt zwei Reinigungsprodukte hintereinander zu verwenden, kann eine einfache Routine sinnvoller sein:
| Double-Cleansing-Trend | Hautfreundlichere Alternative |
|---|---|
| Körper zweimal komplett einseifen | Ein milder Waschgang reicht meist |
| Stark parfümiertes Duschgel im zweiten Schritt | Bei empfindlicher Haut parfumfreie Produkte wählen |
| Möglichst gründlich entfetten | Hautbarriere nicht unnötig strapazieren |
| Lange und heiß duschen | Kurz und lauwarm duschen |
| Haut danach unbehandelt lassen | Trockene Haut auf noch leicht feuchter Haut eincremen |
| Mehr Produkt für mehr Sauberkeit | Reinigungsprodukt gezielt und sparsam verwenden |
Nach dem Duschen solltet ihr eure Haut außerdem nicht kräftig trockenrubbeln. Tupft sie sanft ab und cremt trockene Haut ein, solange sie noch etwas feucht ist.
Cremes und Salben können bei trockener Haut besser geeignet sein als sehr leichte Lotionen, weil sie dabei helfen, Feuchtigkeit in der Haut zu halten. Wer sich genauer mit trockener Haut und Feuchtigkeitsverlust beschäftigen möchte, findet bei Fashion Insider auch einen aktuellen Beitrag über Pflege bei Feuchtigkeitsverlust und trockener Haut.
Wie mild ein Duschprodukt tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht an einem einzigen Begriff auf der Verpackung erkennen. Entscheidend ist immer die gesamte Formulierung.
Wann eine gründlichere Reinigung sinnvoll sein kann
Natürlich gibt es Situationen, in denen eure Haut stärker verschmutzt ist als nach einem normalen Alltagstag.
Nach intensivem Sport, Gartenarbeit, starkem Schwitzen oder Kontakt mit öligen und hartnäckigen Verschmutzungen kann eine gründlichere Reinigung notwendig sein. Daraus lässt sich jedoch keine Regel ableiten, jeden Tag zwei verschiedene Duschgele über den gesamten Körper zu verteilen.
Auch wasserfeste Sonnencreme kann den Wunsch nach intensiverer Reinigung erklären. Entscheidend ist jedoch, ob das verwendete Waschprodukt die Rückstände bereits ausreichend entfernt. Gerade im Sommer sollte dabei nicht die möglichst intensive Reinigung, sondern auch der richtige UV-Schutz im Blick bleiben – mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag über Sonnenschutz und das veränderte Schönheitsideal rund um Sommerhaut.
Ähnlich sieht es beim Körpergeruch aus. Schweiß allein verursacht den typischen Geruch nicht; auch Hautbakterien und deren Stoffwechsel spielen eine Rolle. Starkes Schrubben oder immer häufigeres Waschen ist deshalb nicht automatisch die bessere Lösung.
Wenn ihr euch nach dem Duschen sauber fühlt und keine sichtbaren Rückstände auf der Haut bleiben, gibt es normalerweise keinen Anlass für einen zweiten kompletten Waschgang.
Fazit: Mehr Reinigung bedeutet nicht automatisch bessere Hautpflege
Double Cleansing unter der Dusche klingt nach besonders gründlicher Körperpflege, ist für die meisten Menschen im Alltag aber nicht notwendig.
Gerade bei trockener, empfindlicher oder zu Ekzemen neigender Haut kann der zusätzliche Kontakt mit Tensiden und Duftstoffen die Haut unnötig beanspruchen.
Eine unkomplizierte Routine mit lauwarmem Wasser, einem geeigneten milden Reiniger und bei Bedarf anschließender Pflege ist häufig die hautfreundlichere Variante.
Der Beauty-Trend zeigt damit vor allem eines: Bei der Hautpflege ist mehr Produkt nicht automatisch mehr Pflege.

Ruxandra Schröder ist Geschäftsführerin und Chefredakteurin von Fashion Insider. Sie schreibt über Mode, Beauty, Trends und stilvolle Alltagslooks, die nicht nur in sozialen Netzwerken gut aussehen, sondern sich auch im echten Leben tragen lassen. Besonders liebt sie unkomplizierte Styles, gut sitzendes Denim und Sneaker mit dem gewissen Etwas. In sozialen Netzwerken ist Ruxandra vielen auch als Sandra bekannt.



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